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Unternehmern bereitet Mindestlohn immer noch Sorgen

Nur noch gut einen Monat - dann kommt er: der Mindestlohn  in Deutschland. Mit den 8,50 Euro haben sich die Firmenchefs im Nordosten mittlerweile einigermaßen angefreundet. Trotzdem stehen ihnen die Sorgenfalten weiter auf der Stirn.

Peter Gebser, Familien-Campingplatz Pommernland, empfindet die Mindestlohn-Gesetze als reine Abzocke.
Maria Hantschmann Peter Gebser, Familien-Campingplatz Pommernland, empfindet die Mindestlohn-Gesetze als reine Abzocke.

Der aufgebrachte Zinnowitzer Campingplatz-Betreiber Peter Gebser zahlt den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde schon seit längerem. Aber die damit zusammenhängenden Gesetze empfindet er als reine Abzocke. Hinter Gebsers Wut steckt eine spezielle Vorgabe des Gesetzgebers: Firma A stellt Firma B für einen Auftrag an. Zahlt Firma B ihren Angestellten nicht den Mindestlohn, muss Firma A dafür haften - sprich, den Mindestlohn an die Angestellten von Firma B nachzahlen.

Auch müssen Arbeitgeber jetzt akribisch aufschreiben, wieviel ihre Angestellten gearbeitet haben. Diese Aufstellung muss spätestens sieben Tag nach der verrichteten Arbeit fertig sein - sonst kann es Probleme mit der Zollverwaltung geben. Die soll laut Gesetz die Einhaltung des Mindestlohn kontrollieren.

Die ländlichen Regionen trifft es besonders

Ein weiteres ernsthaftes Problem für die Unternehmer: Der Mindestlohn für gering qualifizierte Mitarbeiter zieht aller Wahrscheinlichkeit Lohnersteigerungen für höher qualifiziertes Personal nach sich. Dies komme insbesondere auf Firmenchefs in ländlichen Gegenden zu, erklärte Unternehmensberater Christian Wegner. Dort liege der Stundenlohn häufig sehr niedrig. So verdiene ein gut ausgebildeter Koch zehn Euro pro Stunde. Wenn in Zukunft aber auch eine Küchenhilfskraft 8,50 Euro bekommt, wolle der Koch natürlich auch mehr haben. In Touristengebieten wie Rostock könne man laut Christian Wegner so etwas über zum Beispiel erhöhte Bierpreise wieder hereinbekommen. In ländlichen Gegenden funktioniere das dagegen nicht.

Taxi-Unternehmerin Carola Jahnke hingegen hat eine viel drängendere Sorge: Es gibt einfach nicht genügend Taxi-Kundschaft im Nordosten. Das liege vor allem an der schwachen Infrastruktur und den fehlenden großen Firmen. Sie befürchtet nun die die Zahlungsunfähigkeit.