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Vorbildlich über den Tod hinaus

Bundespräsident Joachim Gauck will prüfen lassen, ob Tugce A. einen Verdienstorden bekommen soll. Nachrichtenchef Marcel Auermann meint, dass dies ein gutes Zeichen setzen würde.

Das Schicksal der Studentin Tugce A., die nach einer Prügelattacke starb, bewegt das Land. Die junge Frau hilft auch nach ihrem Tod anderen Menschen - mit gespendeten Organen.
Arne Dedert Das Schicksal der Studentin Tugce A., die nach einer Prügelattacke starb, bewegt das Land. Die junge Frau hilft auch nach ihrem Tod anderen Menschen - mit gespendeten Organen.

Deutschland benötigt Menschen mit Migrationshintergrund wie Tugce A.. Dringend! Sie helfen dabei, auch noch die letzten Vorurteile gegenüber Einwandererfamilien auszuräumen. Sie verkörpern ein Bild von gut in die hiesige Gesellschaft integrierte Bürger. Sogar noch viel mehr. Tugce A. war gebildet, politisch auf dem Laufenden, selbstbewusst, weltoffen, zukunftsorientiert. Die junge Deutschtürkin fügte sich nicht nur ein, sie war nicht nur perfekt assimiliert, wie es so schön heißt. Nein, sie setzte sich für andere ein, verausgabte sich, opferte sich für andere im wahrsten Wortsinn auf – und das über den Tod hinaus. Mit ihren Organen werden mindestens drei Menschen auf Rettung hoffen können.

Viel zu oft bleiben Einwanderern der ersten, zweiten oder auch schon dritten Generation Anerkennungen wie sie Tugce A. – leider viel zu spät – nun erfährt, verwehrt. Ein Bundesverdienstorden für diese Heldin würde ein Zeichen setzen. Es würde zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund wundervolle, liebevolle, hilfsbereite Nachbarn sein können, die trotz aller eigenen Probleme noch für andere einstehen. Ja, sie alle handeln oft noch viel besser und mit mehr Gemeinsinn als wir es von manch anderen Mitmenschen gewohnt sind.

Tugce A. wäre eine vorbildliche Lehrerin geworden. Sie hätte noch so vielen Kindern und Generationen gezeigt, wie Kulturen, Völker und Nationen friedlich zusammenleben können. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Welch eine Schande!