Countdown-Ampeln:

Vorm Rübergehen runterzählen

Bei Grün gehen, bei Rot stehen: Die klassische Fußgängerampel ist simpel – und wird oft ignoriert. Verkehrspolitiker plädieren jetzt für „Countdown-Ampeln“, damit Fußgänger seltener bei Rot über die Straße rennen.

Eine Countdown-Ampel für Fußgänger in der Innenstadt von Hamburg.
Christian Charisius Eine Countdown-Ampel für Fußgänger in der Innenstadt von Hamburg.

3-2-1 und dann erscheint das grüne Ampelmännchen: Der Countdown-Zähler direkt über den Ampelmännchen am Hamburger Jungfernstieg zählt kontinuierlich und für alle sichtbar herunter. Knapp eine Minute steht die Ampel hier auf Rot und lässt die Autos an den Fußgängern vorbeirauschen. Countdown-Ampeln stehen momentan im Fokus politischer Diskussionen. Verkehrspolitiker von Union und FDP hatten für Ampeln geworben, die den Fußgängern anzeigen, wie viele Sekunden die Rotphase noch dauert. Das soll die Verkehrssicherheit erhöhen.

Christian Buhl, Geschäftsmann aus Hamburg, wartet an der Ampel und ist nicht genervt vom Countdown: „Wenn man sieht, wann es grün wird, dann denke ich, hilft es einem doch noch zu warten und die Geduld aufzubringen, statt einfach mal schnell über Rot zu rennen.“ Kerstin Schmidt findet: „Wenn ich es dann wirklich eilig habe und kein Auto kommt, werde ich trotzdem über die rote Ampel gehen.“

Als Fußgänger in Städten ist man besonders gefährdet. Laut Statistik verunglückten 2012 rund 31 830 Fußgänger auf Deutschlands Straßen – 30 252 davon innerorts. 388 Fußgänger kamen dabei ums Leben. „Die Erfahrung mit Countdown-Ampeln für Fußgänger sind positiv“, sagt Christian Hieff vom ADAC. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Rotlicht-Verstöße von Fußgängern sich um ein Drittel reduziert hätten.

Stress mit Runterzähl-Ampel reduzieren

Bei anderen Verkehrsexperten gehen die Meinungen auseinander: „Wenn man in Eile ist, weil man zum Beispiel seinen Zug erreichen muss, hat man oft den Eindruck, dass Ampeln ewig lang rot sind“, sagt der Verkehrspsychologe Egon Stephan. Eine Anzeige, wie lange die Ampel noch rot ist, könne da den Stress reduzieren. „Ohne diese Info sind viele Menschen zu ungeduldig und rennen einfach trotz roter Ampel über die Straße.“

Gerhard Laub, Verkehrspsychologe des Tüv Süd, sieht dies kritischer: „Wenn man von vornherein weiß, dass eine Ampel noch 70 Sekunden rot bleibt, kann das auch eine Sogwirkung entfalten: Man rennt eventuell erst recht bei Rot über die Straße, weil man nicht so lange warten möchte.“ Egon Stephan warnt: Egal was für ein Ampelsystem installiert ist, völlig blind solle man ihm nie vertrauen. Es könne immer ein Autofahrer die eigene rote Ampel missachten.

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