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Vorsicht am Bordstein und nur nicht rasen!

Auch eine Gehhilfe zu bedienen muss gelernt sein. In Köln können Senioren sogar einen Führerschein dafür machen – mit Theorie- und Fahrstunden, die vermeintliche schwache Verkehrsteilnehmer auf Bordsteine, Laster und Fahren am Berg vorbereiten.

Vorsicht, nicht umkippen. So ein Bordstein kann tückisch sein für Senioren.
Oliver Berg Vorsicht, nicht umkippen. So ein Bordstein kann tückisch sein für Senioren.

Leopoldine Schneider, macht Tempo. Mit ihrem Rollator steuert die 87-Jährige um eine 90-Grad-Kurve durch den Slalom-Parcours. "Durchatmen nicht vergessen!", mahnt Betreuerin Julia Schitzler. In der Rollator-Fahrschule des Kölner Krankenhauses St. Hildegardis gibt es ein paar Senioren, die zur Überschreitung der empfohlenen Höchstgeschwindigkeit neigen. Seit zwei Jahren bietet das Krankenhaus die Rollator-Kurse an, ähnliche Angebote gibt es auch andernorts in Deutschland.

Im Theorieteil kommt Larsen Lechler, Leiter des Therapiezentrums, auf häufige Fehler zu sprechen. Zu hoch eingestellte Griffe zum Beispiel. Oder falsche Körperhaltung – Stichwort Rundrücken. Auch Überladung mit Einkaufstaschen ist ein Problem. Im Anschluss informiert Polizistin Natalie Kohn über den toten Winkel von Lastwagenfahrern und gibt Teilnehmern den Rat, es nicht auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen. "Als schwacher Verkehrsteilnehmer sollten Sie sich defensiv verhalten."

Jetzt wird gefahren

Leopoldine Schneider hat ihren Rollator erst drei Wochen. "Ich komme damit überhaupt nicht zurecht", klagt sie. "Die Räder drehen sich immer so." Heinrich Schinke (70) steht nach einem Schlaganfall vor seinem ersten Winter mit Rollator: "Da will ich mir noch ein paar Kniffe abschauen." Larsen Lechler hat sich erst mal Frau Schneider vorgenommen: "Ist das richtig, wo die Tasche da hängt?" Sie soll ihre Handtasche besser nicht zwischen die Griffe hängen, weil sie dort im Weg ist. "Besser vorne!" Das kommt für sie nicht infrage: "Da kann sie doch jeder rausnehmen!"

Als Nächstes eine Runde Rollator-Gymnastik, zum Lockermachen. Die Teilnehmer stehen zwischen den Rädern, heben die Beine oder verlagern das Gewicht, um ihr Gleichgewichtsgefühl zu trainieren. Dann geht es raus auf den Parcours. "Keine Hektik!", mahnt Julia Schnitzler immer wieder. "Nur nicht so rasen! Langsam, langsam! Die Bremsen sind nicht nur zur Zierde da! Wir haben alle Zeit der Welt!" Leopoldine Schneider will noch Bordstein-Rauffahren üben. "Klar doch, machen wir", verspricht Schnitzler. "Und Rille machen wir gleich auch noch." In der Pause werden Modelle verglichen. "Was haben Sie für den denn bezahlt?", will Schneider von Heinrich Schinke wissen. "760 Euro", sagt er. "Der ist nicht von Aldi."

"Bordstein muss ich zu Hause noch üben."

Letzte Station: Fahren am Berg. Vor allem wenn‘s runter geht, ist es schwer, die Kontrolle zu behalten. "Bremsen ziehen, Frau Schneider, konzentrieren Sie sich! Sehr gut! Mit Bravour!" Wieder zurück, muss sich die 87-Jährige ausruhen. "Ich fand es anstrengend", gibt sie zu. "Bordstein muss ich zu Hause noch üben." Larsen Lechler erklärt: "Es ist tatsächlich wie mit dem Führerschein: Das Fahren kommt erst mit der Praxis." Dann verkündet er allen Teilnehmern: "Sie sind jetzt in Theorie und Praxis soweit geschult, dass Sie einen Rollator-Führerschein bekommen können. Eins kann ich Ihnen versichern: egal wie Sie sich im Straßenverkehr verhalten, den kriegen Sie von der Polizei nie wieder abgenommen!"