Kommentar:

VW macht den Glanz von „Made in Germany“ zunichte

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen bittet der Chef öffentlich um Entschuldigung: Martin Winterkorn will trotz aller Kritik an seinem Job festhalten. Ein Unding, meint Nachrichtenchef Marcel Auermann.

Was für ein bezeichnendes Bild: VW-Chef Martin Winterkorn liegt am Boden.
Marijan Murat Was für ein bezeichnendes Bild: VW-Chef Martin Winterkorn liegt am Boden.

Man kann nur diese drastischen Worte wählen: Wie blöd muss ein Automobil-Unternehmen sein, dass es derart wissentlich in einen Skandal, nein, in eine Katastrophe steuert? Der kompletten Führungsriege muss von vornherein bewusst gewesen sein: Dieser Betrug, und um nichts anderes handelt es sich, wird rauskommen. Eher früher als später, da die amerikanische Umweltbehörde EPA vermutlich so ziemlich die letzte US-Aufsicht ist, mit der sich Konzerne anlegen möchten. Die Behörde ist unabhängig, mächtig, knallhart. Sie kennt kein Pardon, kann vernichtend sein. Das musste in der Vergangenheit bereits Toyota – übrigens der schärfste Konkurrent von Volkswagen – wegen klemmender Fußmatten und Gaspedale erfahren.

VW-Chef Martin Winterkorn gilt als detailverliebt, würde am liebsten jedes Schräubchen selbst eindrehen und jede Niete selbst kontrollieren. Es ist nur schwer zu glauben, dass so jemand nicht Bescheid wusste. Der 68-Jährige hat also entweder in seinem Zwölf-Marken-Konzern den Überblick verloren. Oder, was viel schlimmer wäre, wissentlich diesen Betrug zugelassen. Es führt kein Weg daran vorbei: Der Top-Manager muss seine Spitzenposition verlassen.

Damit wäre allerdings nur ein Problem aus dem Weg geräumt. Viel schwerer wiegt der Vertrauensverlust in die Qualitäts- und Wertarbeit aus Deutschland. Alle Marken aller Branchen sind nun davon betroffen. „Made In Germany“ wird künftig weniger wertvoll gehandelt werden. Was unzählige Unternehmen über Jahrzehnte aufbauten, machte VW mit seinen nebulösen Abgas-Untersuchungen auf einen Schlag zunichte. Die deutschen Firmenchefs dürfen ihre Dankesschreiben nach Wolfsburg schicken.

Kommentare (2)

Sie Toyota? Das gelogen und betrogen wird sollte dem Verbraucher doch klar sein. In vielen Tests wird bestochen und geschmiert. Das die Amerikaner da nun so einen "Hermann" machen ist leider beispielhaft für unser System. Dort werden die größten Umweltschleudern gefahren und Dieselmotoren sind da verpönt. Ich hoffe VW kommt da gut raus .

Weil Ihrem Eindruck nach alle irgendwie mehr oder weniger besch... ist das Vorgehen bei VW also legitim. Nun ja, die haben nicht mal eben "aus Versehen" die Prüfsonde beim Abgastest in das falsche Auspuffrohr gehalten. Entwicklung und Einsatz dieser Software sind schlicht kriminell. Eine Prüfbehörde, die da ein Auge zudrückt, macht sich überflüssig oder gerät in den Verdacht der Korrumpierbarkeit. Ein Mann mit Größe hätte jetzt seinen Hut genommen. Der Imageschaden für VW ist zwar immens, ich glaube aber nicht an den im Kommentar herbeigeschriebenen Abgesang an das Vertrauen in die sogenannte "deutsche Wertarbeit". Dafür gibt es - zum Glück - noch genügend andere Marken neben Volkswagen.