Kommentar:

VW-Skandal: Transparenz sieht anders aus

Seit über einem Monat treibt die US-Umweltbehörde EPA Europas größten Autobauer im Abgas-Skandal vor sich her. Das Krisenmanagement des Konzerns ist allerdings auch mehr als unglücklich, meint Nachrichtenchef Marcel Auermann.

Vernebelt durch den eigenen Abgas-Skandal: das Volkswagen-Werk in Wolfsburg.
Julian Stratenschulte Vernebelt durch den eigenen Abgas-Skandal: das Volkswagen-Werk in Wolfsburg.

Volkswagen bittet seine Kunden seit Wochen um Vertrauen, das weltweit agierende Unternehmen wirbt mit Transparenz und Offenheit. Doch anscheinend sind alles nur blumige Worte, Sprechblasen, heiße Luft – nicht mehr. Denn der Autobauer hat seine Karren noch viel tiefer in den Dreck gefahren als man es sich bisher vorstellen konnte. Nicht nur VW ist schwer beschädigt. Glauben kann der Kunde eigentlich keiner Marke des Zwölf-Sparten-Konzerns mehr. Denn: Wer ein Mal lügt, dem glaubt man nicht. Volkswagen ist selbst Schuld daran. Immer nur gerade so viel zuzugeben, wie sich ohnehin nicht mehr verheimlichen lässt, hat mit einem unbedingten Aufklärungswillen rein gar nichts zu tun.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gab zu Anfang des Abgas-Skandals den Chefaufklärer. Dabei trat er nie groß in Erscheinung. Seit Wochen müsste er die komplette Aufdeckung des Skandals schonungslos vorantreiben, anstatt zuzuschauen, wie das Gütesiegel „Made In Germany“, die Automobilindustrie und ihre Zulieferer, aber auch sämtliche Autohäuser in allen Regionen der Republik mehr und mehr Schaden nehmen. Dobrindt muss die Grundlage für aussagekräftige und unabhängige Test freimachen.

Es geht um keine Bagatellen. Der VW-Skandal ist inzwischen ein Paradebeispiel, was massiven Kundenbetrug, Gesundheitsgefährdung aller Bürger und KFZ-Steuerhinterziehung angeht.

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!