Interview zu Pegida-Demos:

Warum die Angst vor Zuwanderung so groß ist

Sogenannte Gegner der Islamisierung des Abendlandes sorgen derzeit bundesweit für Schlagzeilen. Über die Bewegung sprach Robert Kiesel mit Wolfgang Donsbach, Kommunikationswissenschaftler an der TU Dresden.

Alle Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen in die rechte Ecke zu stellen bringt nichts, sagt Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach von der TU Dresden.
Arno Burgi Alle Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen in die rechte Ecke zu stellen bringt nichts, sagt Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach von der TU Dresden.

Pegida ist derzeit in aller Munde, viele scheinen überrascht. Sie auch?

Eher weniger. Das Thema Zuwanderung  wurde lange verdruckst und zu wenig explizit behandelt, das war eine tickende Zeitbombe. Deutschland braucht Zuwanderung, die gibt es aber nicht zum Nulltarif. Diese Realität wurde bisher zu selten ausgesprochen.

Warum?

Weil gerade die Parteien das Thema selten auf die Tagesordnung gehoben haben, auch aus Angst, Wähler zu verschrecken. Anstatt sich vorher Gedanken zu machen, passiert vieles zu spät. Gerade auf der kommunalen Ebene bringt das Probleme. Mit den Leuten vor Ort muss früher und besser gesprochen werden.

Nun kommen die Ängste innerhalb der Bevölkerung klar zum Vorschein. Worin liegen sie begründet?

Es fällt auf, dass die Ängste gerade dort am größten sind, wo der Umgang mit Fremden fehlt. Was anders ist, irritiert erst einmal. In Dresden beispielsweise leben zwei Prozent Ausländer. Generell ist das Bedürfnis nach Kontrolle ein tief verankertes psychologisches Grundbedürfnis. Die plötzliche Konfrontation mit Asylbewerbern in der Nachbarschaft kann das Gefühl erzeugen, die Kontrolle zu verlieren.

Wie ernst sollte man solche Ängste nehmen?

Sehr ernst. Vor allem sollte man nicht den Fehler machen, all jene, die jetzt mit Pegida auf die Straße gehen, in die rechte Ecke zu stellen. Das sind nicht alles Nazis. Sie abzustempeln ist zwar sehr leicht und vielleicht auch verlockend, es bringt aber überhaupt nichts.

Worin liegt die Gefahr?

Die Wagenburgmentalität der Menschen wird dann nur noch stärker, sie verschließen sich dem offenen Gespräch total. Die Menschen müssen aber mitgenommen werden. Mir geht es dabei nicht um die Organisatoren der Demonstrationen oder die NPD’ler in ihren Reihen. Mir geht es um die vielen Tausend Menschen, die dort mitlaufen und zum größten Teil eher unpolitisch sind.

Sehen Sie Gruppen wie Pegida als vorrangig ostdeutsches Problem?

Auf gar keinen Fall! Das Problem existiert in ganz Deutschland, überall gibt es fremdenfeindliche Einstellungen und Ansichten. Dresden ist ein besonders markanter Ort, die Stadt hat eine Vorgeschichte durch die großen Nazi-Aufmärsche der vergangenen Jahre. Der Mythos Dresden garantiert Aufmerksamkeit.

Nicht nur auf den Straßen kommen diese Einstellungen derzeit nach außen, auch die Internet-Kommentarspalten quellen regelrecht über. Ein beliebter Kanal für Angst und Hass?

Es war schon immer so, dass im Schutz der Anonymität gern die Sau rausgelassen wurde. Was im Netz an Äußerungen kommt, ist ebenfalls Ausdruck dieser fremden- oder islamfeindlichen Befindlichkeiten. Die kommen aus der Mitte der Gesellschaft, in Ost genau wie in West. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Stereotype können nur durch Aufklärung bekämpft werden.

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Kommentare (1)

die Flüchtlingsproblematik reduzieren. "Parteien Gute Nacht-Bürger an die Macht" steht auf einem der Transparente. Man kann es nur doppelt unterstreichen. Und das ist es wo vor die Herrschenden Angst haben. Die Flüchtlinge interessieren doch im Grunde wenig. Die aus Syrien oder dem Irak hat man durch Lieferung von Waffen an Gegener der dort Herrschenden, durch das Eingreifen von westlichen Militär selbst organisiert weil man Öl und Gas nicht nur kaufen will. Und die anderen die aus Afrika über das Mittelmeer kommen. erreichen Deutschland sowieso nicht weil man sie ertrinken lässt.