In eigener Sache:

Warum die Herkunft von Straftätern in Texten oft fehlt

Türken, Russen, Deutsche: Wenn wir über Verbrechen berichten, wird in Deutschland nicht selbstverständlich die Nationalität der Täter genannt.

Oliver Mehlis Kerzen werden am Malchower See in Berlin-Hohenschönhausen an einem Baum für die getötete Maria angezündet. Die schwangere 19-jährige Frau, die hier aufgewachsen ist, war vor einigen Tagen im Stadtteil Adlershof bei lebendigem Leib verbrannt worden. Zuvor sollen die Täter ihr mehrfach in den Bauch gestochen haben.

Der Verbrennungstod einer schwangeren 19-Jährigen in Berlin-Adlershof brachte viele Leser – wie Horst Förster aus Alt Rehse und Bernd Schwipper – zur Frage, weshalb wir immer wieder die Nationalität und Herkunft von Tätern nicht nennen. Das hat zum einen damit zu tun, dass sich der Nordkurier nicht als Boulevardblatt, sondern als seriöse, unabhängige Tageszeitung versteht. Zum anderen wacht der Deutsche Presserat penibel genau darüber, ob der journalistische Kodex bei Berichterstattungen gewahrt wird.

Dieser besagt, dass in Texten über Straftaten die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt wird, wenn für das Verständnis des Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte. Überdies muss der Täter sowieso in der Regel anonym bleiben und erklären Nationalitäten nicht die Hintergründe von Straftaten. Wer eine Verbindung von Migration und Kriminalität herstellt, versteigt sich nicht selten in Klischees.

Ob also die Nationalität von Straftätern in einen Text einfließt oder nicht, hat mit der großen journalistischen Sorgfaltspflicht zu tun. Keinesfalls darf es zu einer Vorverurteilung ganzer gesellschaftlicher Gruppen kommen.

Ihr Marcel Auermann,

Nachrichtenchef

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