Streit um Kinderbuch-Figur:

Was macht eine echte Pippi Langstrumpf aus?

Reichen rote Zöpfe und Ringelstrümpfe, um Pippi Langstrumpf zu sein? Eine Supermarktkette wirbt so für Karnevalskostüme. Astrid Lindgrens Erben klagen dagegen. Der Bundesgerichtshof machte deutlich, dass mehr dazugehört, um die Romanfigur nachzuahmen.

Schauspielerin Inger Nilsson spielte 1968 Pippi Langstrumpf, wie sie jeder kennt. Herr Nilsson ist immer dabei.
epa Schauspielerin Inger Nilsson spielte 1968 Pippi Langstrumpf, wie sie jeder kennt. Herr Nilsson ist immer dabei.

Pippi ist das stärkste Mädchen der Welt, sie lebt unabhängig und aufmüpfig. Auch im Zeitalter von Lara Croft und Lady Gaga bleibt Pippi Langstrumpf noch immer eine Sehnsuchtsfigur junger Mädchen. Im Karneval schlüpfen selbst erwachsene Frauen mit roter Zopfperücke, kurzem Kleidchen und Ringelstrümpfen in die Rolle der von Astrid Lindgren geschaffenen schwedischen Göre. Der Bundesgerichtshof (BGH) wies nach jahrelangem Rechtsstreit am Donnerstag eine Forderung der Lindgren-Erben endgültig zurück. Sie wollten eine Lizenzgebühr für eine Karnevalskostüm-Werbung der Supermarktkette Penny.

Die Erben der Schriftstellerin haben dabei gar nichts gegen die Verkleidung als Pippi Langstrumpf einzuwenden. Penny aber ging ihnen zu weit, indem das
Unternehmen im Jahr 2010 millionenfach in Prospekten und auf Plakaten sowie im Internet für Faschingsverkleidungen warb. Zu sehen waren ein Mädchen und eine junge Frau im „Püppi“ genannten Kostüm mit roten abstehenden Zöpfen, kurzem T-Shirt-Kleid und langen Ringelstrümpfen.

Bereits 2013 hatte der BGH die Lizenzforderung der Erben in Höhe von 50 000 Euro zurückgewiesen, denn es seien keine Urheberrechte verletzt worden. Und auch diesmal wurde die Klage abgeschmettert: „Man kann sagen, es ist sehr wenig übernommen worden“, stellte der Vorsitzende Richter Wolfgang Büscher in der Urteilsbegründung fest. „Das reicht für eine Nachahmung der Romanfigur einfach nicht aus.“