Roaming:

Werden jetzt Inlandsgespräche teurer?

Der Traum von einem europäischen Telefonmarkt ohne lästige Auslandszuschläge könnte zu einem Albtraum werden.

Unter Palmen vergessen Reisende gerne, dass im Urlaubsland andere Preise gelten als daheim oder in der EU - und zahlen mitunter teures Lehrgeld. Das soll sich bald ändern.
Andrea Warnecke Unter Palmen vergessen Reisende gerne, dass im Urlaubsland andere Preise gelten als daheim oder in der EU - und zahlen mitunter teures Lehrgeld. Das soll sich bald ändern.

Zwischen 1. Juli 2014 und Mitte 2016 sollen die Roaming-Zuschläge wegfallen. Wird damit das Telefonieren aus dem EU-Ausland billiger?

Die Zuschläge wurden in den zurückliegenden Jahren bereits massiv gesenkt. Zusätzlich zu den Inlandskosten für ein Telefonat, eine SMS oder Surfen im Internet zahlt der Kunde derzeit 24 Cent (ab 1.  Juli 2014: 19 Cent, jeweils plus Mehrwertsteuer) für abgehende Anrufe, sieben Cent (fünf Cent) für ankommende Gespräche, acht Cent (sechs Cent) für eine verschickte SMS (Empfang ist kostenlos) sowie 45 Cent (20 Cent) für ein Megabyte an Daten. Diese zusätzlichen Gebühren sollen bis 2016 auf Null sinken.

Es fällt schwer sich vorzustellen, dass die Provider auf diese Einnahmen verzichten. Werden sie sich das Geld wiederholen?

Der Branchenverband BitKOM und zahlreiche andere Experten befürchten genau das. So könnten T-Mobile, Vodafone und Co ihr Tarifgefüge überarbeiten und dabei vor allem die Inlandspreise so anheben, dass sie unterm Strich keine Verluste haben. Außerdem rechnen Beobachter damit, dass Smartphones, Tablet-Computer und andere subventionierte Geräte teurer werden. Sollte dieser Fall eintreten, wäre dies nicht nur eine gewaltige Verschiebung, sondern auch im höchsten Maße ungerecht. Denn dann würden die vielen Nutzer, die nur selten ins Ausland fahren, die Preissenkungen der Vielreisenden bezahlen.

Was tut die Kommission dagegen?

Es gibt zwei Maßnahmen, mit denen man solche Tarif-Schiebereien verhindern will. Zum einen soll die neue europäische Regulierungsbehörde bei der Genehmigung künftiger Tarife darauf achten, dass man sich nicht mit der einen Hand wiederholt, was man mit der anderen gewährt hat. Zum zweiten besteht Brüssel darauf, dass die Telekommunikationsunternehmen kostenlose Dienste wie Skype, Whatsapp, Threema oder Viber nicht länger blockieren.

Bremsen die Anbieter diese Dienste tatsächlich aus? Und wird auch im Internet jetzt schon das Tempo gedrosselt?

Ja, einige Unternehmen bremsen die Daten dieser Dienste gezielt aus, um sie unattraktiv zu machen. Noch gravierender ist das Problem im Internet. Nach Angaben der Kommission müssen derzeit rund 200 Millionen EU-Bürger (von 508 Millionen) mit reduzierter Datengeschwindigkeit leben, ohne davon zu wissen.

Nun will die EU dafür sorgen, dass das Tempo im Internet nicht länger gedrosselt wird. Ist das wirklich das klare Bekenntnis zur Netzneutralität?

Leider nein. Brüssel sagt zwar ausdrücklich, dass Daten nicht ausgebremst werden dürfen, um eigene Inhalte mit höheren Übertragungsraten zu bevorteilen. Aber ein Bekenntnis zur Netzneutralität (also der gleichschnellen Beförderung aller anfallenden Daten) ist das nicht. Kritiker im Europäischen Parlament sehen in dem neuen Paket sogar eine Legitimierung von Versuchen, Inhalte gegen Bezahlung schneller zu senden. So könnten sich Konzerne wie Google nach den neuen Regeln eine vorrangige Behandlung der eigenen Inhalte gegen Zusatzkosten sichern.

Was tut die Kommission, um die Rechte des Verbrauchers zu stärken?

Zum einen will sie den Kunden das Recht einräumen, bestehende Verträge mit Internetprovidern jederzeit zu kündigen, wenn die zugesagten und bezahlten Übertragungsgeschwindigkeiten nicht erreicht werden. Außerdem soll es künftig nicht mehr nur die verbreiteten 24-Monats-Verträge geben, sondern auch Laufzeiten von nur zwölf Monaten.

Ist es ratsam, jetzt einen bestehenden Vertrag zu verlängern? Oder sollte man damit lieber warten?

In den nächsten Monaten, bis zum 1. Juli 2014, werden die Tarife und auch die Zusatzleistungen in Bewegung geraten. Experten raten deshalb dazu, derzeit lieber abzuwarten. Wer einen Vertrag hat, der in Kürze endet, sollte mit dem Provider eine kürzere, befristete Laufzeit von zum Beispiel zwölf Monaten aushandeln, um dann flexibel sein zu können.

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