Wirtschaftsminister auf Werbe-Tour:

Werften aus MV auf Russland-Kurs

Die angeschlagene Werftindustrie setzt zunehmend auf die russische Karte und Wirtschaftsminister Glawe reist zur Schiffbau-Messe nach St. Petersburg. Moskau will im Gerangel um die insolvente Volkswerft Nordic-Yards-Chef Jussufow unterstützen.

Der eisbrechende Arctic Tanker "Nordic AT 19" (r.) für das russische Bergbauunternehmen Norilsk Nickel am Ausrüstunkskai der Werft von Nordic Yards in Wismar.
Bernd Wüstneck Der eisbrechende Arctic Tanker "Nordic AT 19" (r.) für das russische Bergbauunternehmen Norilsk Nickel am Ausrüstunkskai der Werft von Nordic Yards in Wismar.

Nur drei Tage nach seiner Rückkehr aus Moskau ist am Montag Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) in Begleitung von 37 Managern aus MV erneut nach Russland gereist. Bis Freitag wolle er auf der heute beginnenden internationalen Fachmesse für Schiffbau, Schifffahrt und Offshore-Technik (NEVA) in St. Petersburg für die ostdeutsche Werftindustrie und ihre Zulieferer werben, sagte er dem Nordkurier. Insgesamt zwölf Aussteller aus MV sowie das Zustellernetz MAZA sind in Petersburg vertreten, so viele wie nie zuvor. In einem Workshop will Glawe russische Unternehmer vom Investitionsstandort Mecklenburg-Vorpommern überzeugen.

Die Präsenz unterstreicht, wie sehr die angeschlagene Schiffbaubranche inzwischen auf die russische Karte setzt. Nachdem schon die Schiffbaustandorte Wismar und Warnemünde an Nordic-Yards gingen, zeichnet sich möglicherweise auch eine Übernahme der insolventen Volkswerft durch den russischen Großunternehmer Witali Jusufow ab. Glawe sagte dem Nordkurier, nach seinen Gesprächen mit Vertretern des russischen Industrieministerium in der vergangenen Woche, habe er den Eindruck gewonnen, dass Moskau ganz klar das Konzept von Jusufow und nicht die Kauf-Offerte der staatlichen Holding AK BARS aus Tatarstan favorisiere.

Zulieferung innovativer Ausrüstungen denkbar

Russland gilt in der Schiffbaubranche als Wachstumsmarkt. Allein bis zum Jahr 2020 hat das Riesenreich einen Bedarf von 1400 Schiffsneubauten angemeldet. Davon hoffen die ostdeutschen Werften profitieren zu können. Doch allzu hoch gesteckte Erwartungen dürften getrübt werden. Denn die russische Seite habe inzwischen auch klar zu erkennen gegeben, dass Neubauaufträge vorrangig im eigenen Lande realisiert würden, sagte Glawe.

Allerdings könnten sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit nicht nur mit Zulieferern, sondern auch mit Mecklenburg-Vorpommerns Werften ergeben. „Wir setzen vor allem auf den bereits bestehenden Kooperationsvertrag von Jusufow mit der Petersburger Region“, sagte der Minister. Sollte der Zuschlag für die Volkswerft an ihn gehen, dann sei zum Beispiel die Zulieferung innovativer Ausrüstungen und kompletter Aufbauten für eisbrechende Schiffe denkbar. „Ich rechne bis Ende Oktober mit einer Vorentscheidung des Insolvenzverwalters, welchen Kurs die Volkswerft einschlagen wird.“

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