Geflügelpest-Fall in Heinrichswalde:

Wie gefährlich ist die Vogelgrippe H5N8?

Ein aggressiver Vogelgrippe-Erreger ist in einem Mastputenstall in Vorpommern aufgetaucht. Rund 31 000 Tiere müssen getötet werden. Aber wie gefährlich ist der Erreger für Tier und Mensch? Ein Experte gibt Antworten.

Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, werden in Heinrichswalde umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt.
Bernd Wüstneck Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, werden in Heinrichswalde umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt.

Erstmals seit 2008 ist mit dem Geflügelpest-Ausbruch in dem Mastputenbetrieb in Heinrichswalde wieder ein hochansteckender H5-Erreger in Deutschland aufgetreten. Die Eintragunswege in den Bestand sind bislang unklar. Das Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems hat vier Experten in den Ort geschickt, die nach Ursachen forschen. Tierseuchenforscher Thomas Mettenleiter, Präsident des FLI, beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Thema. 

Handelt es sich beim Ausbruch in dem Betrieb in Vorpommern um Geflügelpest oder Vogelgrippe?

Die Geflügelpest ist die Vogelgrippe Die Vogelgrippe hat sich als populärer Begriff im Zuge des H5N1-Seuche eingebürgert. Die Wissenschaftler selbst sprechen von der Geflügelpest. Sie wird durch die Influenza-Erreger H5 oder H7 ausgelöst. Den letzten Ausbruch mit einem hochpathogenen Erreger gab es 2008 mit H5N1 in Markersdorf im sächsischen Landkreis Görlitz.

Wie gefährlich ist der Erreger H5N8 für Geflügel?

Der Geflügelpesterreger ist für Geflügel (Hühner, Puten oder Gänse) hochansteckend. Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, sodass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt. In dem betroffenen Betrieb waren seit Anfang des Monats erhöhte Todesraten aufgetreten, die sich in den letzten Tagen gesteigert hatten. Das hat die Veterinärmediziner alarmiert.

Kann der Erreger auch auf Menschen übertragen werden?

Wir müssen davon ausgehen, dass jeder hochpathogene Erreger auch eine Gefährdung für den Menschen darstellen kannr. Für den H5N8-Erreger ist eine Übertragung auf den Menschen noch nicht beobachtet worden, auch nicht in Südkorea, wo bislang mehrere hunderttausend Tiere getötet werden mussten. Da man eine Übertragung auf den Menschen aber nicht ausschließen kann, mussten grundsätzlich schnelle Schutzvorkehrungen getroffen werden. Wir sehen aber keinen Grund zur Besorgnis. Man sollte den Ausbruch mit einer gewissen Gelassenheit betrachten.

Wo kommt der Erreger her?

Im Januar 2014 ist der Erreger vom Subtyp H5N8 erstmals in Südkorea aufgetreten. Er kommt dort auch in der Wildvogelpopulation vor. Nachweise des Erregers gibt es auch in Japan und im Grenzgebiet von China zu Südkorea. 

Der Erreger ist nun erstmals in Europa aufgetaucht. Gibt es Hinweise, wie er in den Bestand in Vorpommern eingetragen wurde?

Das ist bislang unklar. Potenziell kann er über kontaminierte Waren eingetragen werden, Lebensmittel, Personen oder auch Wildvögel. Vier Epidemiologen des Bundesforschungsinstituts sind vor Ort, um Waren- oder Tierverkehre und einen möglichen Eintrag durch Wildvögel zu untersuchen. Das wird dauern. Alle Szenarien müssen gleichberechtigt betrachtet und bewertet werden.

Welche Auswirkungen hat der Ausbruch auf die Nachbarbetriebe? Wie schnell kann sich der Virus ausbreiten?

Wichtig ist zunächst, dass schnell Schutzmaßnahmen eingeleitet wurden. Bislang gehen wir von einem lokalen Ausbruch aus. Sperr- und Beobachtungsgebiete wurden eingerichtet. Um mögliche Verschleppungen auszuschließen, müssen neben dem betroffenen Putenbestand eventuell auch andere im Sperrgebiet getötet werden. Entschieden ist das bislang aber noch nicht.

Hat der Ausbruch ökonomische Auswirkungen auf die Geflügelindustrie in Deutschland?

Das wird davon abhängen, wie zügig der Ausbruch  bekämpft und eine Ausbreitung verhindert werden kann.

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