Bundestagskandidaten aus MV:

Wie Herr Holm neue Politik machen will

Frisch gebackener Vater, Radiomoderator, Euro-Gegner: Leif-Erik Holm, Alternative für Deutschland.

Leif-Erik Holm (AfD)
nk Leif-Erik Holm (AfD)

Alles scheint neu: die Partei, die Politiker, das Kind. Seit etwa zwei Wochen ist Leif-Erik Holm Vater eines Sohnes, seit ungefähr drei Monaten Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern und seit dem Frühjahr Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD), der Partei, die den rigorosen Ausstieg aus dem Euro fordert. Und die Wiedereinführung einer nationalen Währung, sowohl für Deutschland als auch beispielsweise für Griechenland. Das ist weniger neu.

„Am Anfang fand ich den Euro ganz gut, weil man ihn überall benutzen kann. Er funktioniert aber überhaupt nicht“, sagt der 43-jährige Ex-Moderator eines privaten Rundfunksenders aus MV, der seinen Job für den Wahlkampf erst mal an den Nagel gehängt hat. Holm hat allerdings nicht nur Musiksendungen moderiert, sondern an der Humboldt-Universität in Berlin auch Volkswirtschaftslehre studiert.

"Die Währung passt nicht auf alle Länder"

Das fällt schon auf an der AfD – viele ihrer Spitzenfunktionäre sind Ökonomen. „Wir haben eine Dauerrezession in den Südländern und bei uns einen Exportboom. Die Währung passt nicht auf alle Länder. Das ist ein rein ökonomisches Problem, das wir erkennen und sagen, da müssen wir jetzt geordnet wieder raus aus dieser Geschichte“, findet Holm. Für die Südländer sei der Euro zu stark, für Deutschland zu schwach. Wenn die Griechen um 40 Prozent mit den Löhnen und Preisen runtergingen, dann funktioniere die Gemeinschaftswährung vielleicht. „Aber das ist ja so ein sozialer Sprengstoff, das ist ja gar nicht durchsetzbar“, sagt der Spitzenkandidat der Partei, der Egoismus und unsolidarisches Verhalten vorgeworfen wird. Und kurzfristiges Denken – denn nur eine gemeinsame Währung gilt so manchem als Garant, dass sich der alte Kontinent gegen andere große Wirtschaftsräume behaupten kann.

"Vor dem Euro waren wir auch Exportweltmeister"

Der noch jugendlich wirkende Holm schaut gelassen auf den Schweriner See vor seiner Haustür: „Gucken wir uns doch die Schweiz an oder Schweden, die wahnsinnig viel exportieren und einen Lebensstandard haben, der weit über unserem liegt. Wenn es keine Handelsschranken gibt, gibt es diesbezüglich keine Probleme. Vor dem Euro waren wir auch Exportweltmeister.“

Wie realistisch ist eine solche Maximalforderung? Der Spitzenkandidat aus MV selbst scheint zumindest realistisch: „Wir versuchen, den ersten Schritt zu machen, dass wir als Oppositionsstimme im Bundestag vertreten sind, um andere davon zu überzeugen. Um überhaupt das Problem in Angriff zu nehmen. Es wird uns anders irgendwann auf die Füße fallen.“

Steuersätze für alle runter und Volksabstimmungen

Die AfD und der Euro. Holm räumt ein, dass die Partei in der öffentlichen Wahrnehmung nur mit diesem Punkt verbunden wird. Allein, man kämpfe auch für Anderes. Beispielsweise für ein vereinfachtes Steuerrecht. „Da sieht ja keiner mehr durch. Ich habe selber ein eigenes Modell entwickelt. Ausnahmen würde es nicht oder kaum noch geben. Steuersätze für alle runter und nicht nur die Cleveren und die, die viel Geld haben, profitieren von dem System.“ Das sei ein Punkt.

Als einzige Partei trete man in dieser Vehemenz auch für Volksabstimmungen ein. Basis solle das Schweizer Modell sein. „Wichtige Entscheidungen sollen vom Volk getroffen werden, weil unseres Erachtens die Parteien viel zu viel Macht in diesem Land haben – auf allen Ebenen. Wer bestimmt die Richter, die Aufsichtsratsgremien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Das kungeln die Parteien unter sich aus“, so der Spitzenkandidat der AfD, der des Öfteren auch Populismus unterstellt wird. Die Gefahr bestehe zwar immer, dass Volkes Stimme auch gefährlich werden könnte, geht Holm auf die Argumente der Kritiker ein. „Aber ich sehe die Gefahr momentan eher bei der Politik. Da sind wir wieder beim Euro – man hätte ihn gar nicht erst einführen dürfen. Man hätte es andersherum machen müssen. Erst gründen wir die Vereinigten Staaten von Europa und am Ende hätte dann der Euro gestanden.“

Er kann auch Ossi

Die Finanzen lassen den AfD-Mann nicht los: „Bezahlbare Energiepreise. Wir finden das sozial ungerecht, wie das gemacht wird mit der etwas übereilten Energiewende.“ Die Energiewende über den Strompreis zu finanzieren, finde die Partei nicht gut. Und dann fordert Holm leicht verklausuliert etwas, was man aus dieser politischen Richtung wohl eher nicht erwartet – und was auch nicht ganz so neu ist: Der Staat soll einspringen: „Das sollte über den Bundeshaushalt laufen.“

Neue Partei, alte Forderung: „Wir wollen ein einheitliches Bildungssystem in Deutschland. Denn es ist ja im Moment so schwierig, mit der Familie in ein anderes Bundesland zu wechseln, weil die Standards so unterschiedlich sind. Das alles müsste auf der Basis des Bestensystems umgesetzt werden – also das beste System für alle.“ Der in Schwerin geborene Spitzenkandidat kann auch Ossi: „Was ich persönlich ganz gut finden würde, wenn man aus dem DDR-Bildungssystem wieder etwas hereinholen würde. Beispielsweise den naturwissenschaftlichen Bereich. Da waren wir besser aufgestellt. Das sind die Kompetenzen, die unsere Jugend braucht, damit das Land technologisch vorne bleibt.“

Nein, Schaum vorm Mund, wie ganz andere Eurokritiker, hat Holm nicht. Eigentlich, sagt er, wollte er nie Politiker werden: „Aber Politik hat mich immer interessiert. Deshalb habe ich dann gesagt, jetzt ziehst du das durch, denn wir wollen ja auch etwas ändern. Ich bin ein Bürger dieses Landes, der sich Sorgen macht, ob wir nicht unseren Wohlstand verlieren. Wobei ich mir weniger Sorgen wegen mir mache, als um meinen Knirps.“ Nächstes Jahr soll übrigens geheiratet werden. Egal, ob es mit dem Bundestagsmandat klappt oder nicht.