Sie wettern gegen das System:

Wie rechts ist der Friedenswinter in Neubrandenburg?

Seit einem Jahr gehen regelmäßig Neubrandenburger für den Frieden auf die Straße. Ein Experte sieht bei den Kundgebungen aber auch eine andere Dimension.

Veronika Hauenstein und Reiner Ahlgrimm nehmen regelmäßig an den Montagsdemos teil.
Benjamin Vorhölter Veronika Hauenstein und Reiner Ahlgrimm nehmen regelmäßig an den Montagsdemos teil.

Was unterscheidet die Montagsdemos in der Viertorestadt von den Pegida-Kundgebungen in Dresden und anderen Städten? Auf den ersten Blick nicht sehr viel. Seit einem Jahr raufen sich montags etwa ein Dutzend Neubrandenburger auf dem Marktplatz zusammen. Nach dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ demonstrieren gegen die bewaffneten Konflikte in Syrien, im Nahen Osten und in der Ukraine.

Rassismus und Ausländerfeindlichkeit, sagen die Montagsdemonstranten, würden in ihren Reihen keinen Nährboden finden. Mit dem Islam haben sie, anders als viele Pegida-Anhänger, nach eigenem Bekunden kein Problem. „Uns geht es nicht um Religionen, sondern ums System“, sagt Demonstrantin Veronika Hauenstein. Ihre Wut richtet sie gegen das kapitalistische Finanzsystem. Der Zinseszins sei ihrer Ansicht nach die Ursache dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer werde.

Einige sehen die Schuld bei einer jüdischen Bankiersfamilie

Bei Kritik am Finanzsystem und der amerikanischen Notenbank fällt immer wieder der Name Rothschild. In den Augen einiger Montagsdemonstranten soll diese jüdische Bankiersfamilie dafür verantwortlich sein, Medien, Regierungen und Aktienmärkte zu manipulieren. Solche Denkweisen rücken Kritikern zufolge nahe an das Feindbild vom Kapital raffenden Juden heran, das die Nationalsozialisten geprägt haben.

Für Michael Butter ist das keine Überraschung. Verschwörungstheorien wie die Kritik am Zinseszins funktionieren meist mit antiamerikanischen und antisemitischen Argumentationen, sagt der Tübinger Universitätsprofessor für Amerikanistik. Aus seiner Sicht beinhalten die Montagsdemonstrationen eine populistische Dimension. Egal ob nach links oder rechts, solche Bewegungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie möglichst viele Strömungen aufnehmen, erläutert der Experte für Verschwörungstheorien.

Das ist bei den Neubrandenburger Demonstranten der Fall. Sie lehnen ein Denken in links oder rechts ab. „Das ist nur eine Schublade, in die uns die oberen Zehntausend stecken“, meint Veronika Hauen-
stein: „Wir wollen kein Gegeneinander. Jeder darf hier seine Meinung sagen.“ Die Demonstranten überlegen, ihre Kundgebung künftig nicht mehr Montagsdemos zu nennen.

Es gebe keinen Staat mit dem Namen "deutsch"

Auch Dietmar Teicher kommt regelmäßig auf dem Marktplatz zu Wort. Er glaubt, dass der Personalausweis ungültig sei. Er begründet diese Annahme damit, dass unter Staatsangehörigkeit „deutsch“ stehe, aber kein Staat mit dem Namen „deutsch“ auf der Landkarte existiere.

Solche kruden Ideen stammen von der Reichsbürger-Bewegung, sagt Michael Butter. Anhänger dieser Verschwörungstheorie seien davon überzeugt, dass Deutschland kein souveräner Staat sei und von den USA fremdgesteuert werde. Mit solchen Theorien können leicht Leute eingefangen werden, so Butter.

Denn sie erklären die Welt in einer einfachen Art und Weise. Ob antiamerikanisch, antisemitisch oder gegen das Establishment, die Denkmuster auf den Montagsdemos seien die gleichen wie auf den Pegida-Kundgebungen. Beide Strömungen eine das Gefühl, abgehängt und am Rande der Gesellschaft zu sein, sagt Butter.

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Kommentare (5)

Schon die Überschrift ist eine absolute Geschmacklosigkeit und Unterstellung! Hier werden Menschen diffamiert, die "nur" für den weltweiten Frieden eintreten und das jeden Montag, ohne wenn und aber. Der Autor sollte sich schämen!

war ja noch lesbar. Doch dann kommt der Experte, wenn er dann auch einer ist, zu Wort wirft alles mögliche in einen Topf und rührt kräftig um. Wer ist hier der Verschwörungstheoretiker? Da wird die Pegida in Dresden(die wenn ich mich recht entsinne gegen die Islamisierung eintritt) mit den Friedensaktivisten aus NB (die gegen die Kriege gegen Syrien und der Ukraine eintritt) vermischt. Obwohl die Interessengruppe in Nb laut ihren Bericht kein Problem mit dem Islamismus haben. Dann kommt noch Judenfeindlichkeit dazu, weil ja angeblich die Bankiersfamilie Rothschild die Fäden in der Finanzwelt zieht....Ich bin gerade total überfordert und bin nach dem lesen des Berichts sehr verunsichert...Was will uns der Experte sagen? Wer hat ihn eigentlich die Zeit geraubt und ihn mit dem Neubrandenburger Problem der ca 12 Personen konfrontiert? Ich habe mir noich kein Bild von diesem mahnenden,protstierenden Dutzend gemacht., Doch sind mir solche Leute lieber die sich Gedanken machen,(auch wenn man nicht uinbedingt ihrer Meinung ist) als einige Bürger die sich schon im Nachmittgasfersehen die heile Welt von RTL und Co bei Shows und Kochsendungen erklären lassen!

Bisher habe ich den Nordkurier gerne gelesen, aber wenn der Nordkurier bei politischen Beiträgen langsam die Gestalt der (Achtung Unwort) "Lügenpresse" annimmt. Kann ich mir diesen Kauf, sowie den Besuch auf der Internetseite auch sparen. Falls ich recht habe, wird der Nordkurier es daran merken, das seine Verkaufszahlen in den nächsten Jahren genau wie die von Stern, Focus etc. weiter sinken.

Hallo Chudaske, ja, diese Mensch, treten für den Frieden ein. Das ist alles richtig und dagegen ist nichts einzuwenden. Es war auch nicht meine Absicht, diesen Demonstranten Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen. Aber wenn man sich etwas genauer mit einigen Aussagen beschäftigt, nämlich eben mit dem Thema Zinseszins und wie schlimm dieser ist, fallen Äußerungen, die durchaus zu hinterfragen sind. Einige dieser Montagsdemonstranten berufen sich auf die Theorie der Freiwirtschaft von Silvio Gesell. Das ist ein Finanztheoretiker, der von 1862 bis 1930 gelebt hat. Er glaubte, dass Geld im Gegensatz zur Arbeitskraft nicht schwindet. Das heißt, der Wert einer Arbeitskraft kann abnehmen, weil man älter wird oder weil man krank wird. Aber Geld "rostet" nicht, wie man so schön sagt. Deshalb, so der Finanztheoretiker Gesell, wird Geld gehortet. Wenn Geld gehortet und nicht ausgegeben wird, hat der Produzierende einen Nachteil. Er muss seine Waren billiger oder "unter Wert" anbieten. Seine Kosten muss er daher mit Krediten decken, für die er Zinsen bezahlen muss. Der Geldbesitzer, der diese Kredite vergibt, verleiht seine Zinseinnahmen erneut. Dadurch wachsen seine Einnahmen durch den Zinseszins und Geld wird "leistungslos" vermehrt. Diese einfache Erklärung von Silvio Gesell wurde von den Nationalsozialisten missbraucht, sodass das Bild des "Geld raffenden Juden" entstanden ist. Kritiker, und das ist nachzulesen, bescheinigen Silvio Gesell zwar, dass er kein Antisemit war, aber das seine Theorien einfach für antiamerikanische und antisemitische Thesen missbraucht werden können. Wenn jetzt also bei den Montagsdemos Kritik am Zinssystem geäußert wird, ist durchaus die Frage berechtigt, inwiefern sich die Leute über solche Zusammenhänge im Klaren sind. Aus diesem Grund sehe ich meinen Beitrag als Denkanstoß, über geäußerte Theorien nachzudenken. Übrigens: Die Neubrandenburger Montagsdemo unterstützt den Friedenswinter, der am 13. Dezember in Berlin demonstriert hat. In dieser Bewegung mischen Leute, wie Ken Jebsen mit, ein Radiomoderator, der wegen antisemitischer Äußerungen seinen Job bei Radio Fritz verloren hat. Die Lehrergewerkschaft GEW hat sich übrigens auch von den Friedenswinter und Montagsdemos distanziert, eben weil dort unter anderem antisemitisches Gedankengut geäußert wurde. Die Frage nach antisemitischen Tendenzen ist demnach nicht aus der Luft gegriffen. Mit freundlichen Grüßen, Benjamin Vorhölter

Lieber Pommernfreund, ich gebe ihnen Recht, kritische Stimmen sind wichtig. Es ist gut, dass es Menschen gibt, die auf Missstände hinweisen. Der Experte will sagen, dass Verschwörungstheoretiker der Friedensbewegung und Pegida-Anhänger eines gemeinsam haben. Sie haben das Gefühl, mit ihren Problemen von der Politik alleine gelassen zu werden. Deshalb suchen sie sich einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge. Das kann verschiedene Formen annehmen, z.B. Islamfeindlichkeit oder Antiamerikanismus oder Antisemitismus. Mit freundlichen Grüßen Benjamin Vorhölter