Cybercrime und Spionage im Netz:

Wird das Internet zum Kriegsschauplatz?

Die Vorratsdatenspeicherung sei notwendig, um gegen Kriminelle im Netz vorzugehen, heißt es vom Bundeskriminalamt. Im Internet tummeln sich aber auch Terroristen. Experten sehen Flugzeugeelektronik und Atomkraftwerke als mögliche Ziele für Anschläge.

Das Bundeskriminalamt widmet seine Herbsttagung dieses Jahr dem Kampf gegen die Cyberkriminalität und den Aktivitäten der Geheimdienste im Internet.
Oliver Berg Das Bundeskriminalamt widmet seine Herbsttagung dieses Jahr dem Kampf gegen die Cyberkriminalität und den Aktivitäten der Geheimdienste im Internet.

Die Polizei fordert im Kampf gegen die wachsende Cyberkriminalität mehr Zugriff auf Daten. Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung sei notwendig, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, am Dienstag in Wiesbaden. Dort kamen etwa 500 Polizei- und Sicherheitsexperten zur BKA-Herbsttagung zusammen.

Ziercke sprach von einer Mindestspeicherfrist für die Verbindungsdaten bei Internet- und Telefonanbietern. Er bat um Vertrauen in die kriminalistische Arbeit: Polizisten dürften nicht als „Totalüberwacher, Datensammelwütige und Datenprofilneurotiker“ denunziert werden. Innenstaatssekretär Klaus Dieter Fritsche hofft, dass der Kampf gegen Cyberkriminalität im neuen Koalitionsvertrag Raum findet. Die schwarz-gelbe Regierung hat sich über die Vorratsdatenspeicherung nie einigen können. Die bisherige Regelung hatte das Bundesverfassungsgericht 2010 verworfen.

Kriminelle und Geheimdienste kaum zu unterscheiden

Alle Redner beschworen zwar die Bedrohungen durch Cyberkriminalität, das Ausspähen Deutschlands durch den US-Geheimdienst streiften sie nur am Rande. Lange bevor von der NSA die Rede gewesen sei, hätten einige Staaten Deutschland ausspioniert, sagte Fritsche. Er nannte Russland und China. Computerangriffe von Kriminellen und von Nachrichtendiensten seien nur schwer zu unterscheiden, sagte Ziercke.

Sandro Gaycken von der Freien Universität Berlin listete mögliche Gefahren durch Cyberterroristen auf, zum Beispiel die Manipulation von Flugzeugelektronik. Die Steuerung von Chemiefabriken und Atomkraftwerken könnte ebenso ein Ziel werden. Problematisch sei ein grauer Markt von Hackern, die offiziell im Bereich Computersicherheit arbeiteten, aber andere Ziele verfolgen könnten. Gaycken sah eher Staaten und Geheimdienste in der Lage, elektronische Angriffe zu starten. Cyberspionage und -krieg seien längst Realität.

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