Protest von Sinti und Roma:

Zigeuner-Sauce droht das Aus

Muss die beliebte Grill-Soße der politischen Korrektheit wegen umbenannt werden? Sinti und Roma fordern die Hersteller auf, einen neuen Namen zu suchen.

Schön scharf dürfen sie sein: Zigeunersaucen verschiedener Hersteller.
Holger Hollemann Schön scharf dürfen sie sein: Zigeunersaucen verschiedener Hersteller.

Streit um die Zigeunersauce: Ein Verein von Sinti und Roma in Hannover hat die Hersteller der Saucen aufgefordert, diese wegen des diskriminierenden Begriffs umzubenennen. Die Hersteller verweisen auf die mehr als 100-jährige Tradition der Saucen und sehen in dem Namen keinen Rassismus. Dennoch wollen sie den Einwand nicht leichtfertig vom Tisch wischen. Noch unklar ist für sie, ob es sich um den Protest Einzelner oder eine breite Unzufriedenheit handelt. "Pikante Sauce" oder "Paprika-Sauce" schlägt die Anwältin des Vereins als Alternative vor.

"Ich hoffe, dass die Konzerne ein Einsehen haben und sagen, die Leute haben recht und nennen ihre Produkte anders", sagte der Vorsitzende des "Forums für Sinti und Rom" in Hannover, Regardo Rose, am Mittwoch. Er fühle sich diskriminiert und beschimpft, wenn von Zigeunern die Rede sei, neun Geschwister und weitere Familienmitglieder von ihm seien im Konzentrationslager ermordet worden. Außerdem habe die Zigeunersauce keine kulinarischen Wurzeln in der Küche der Roma und Sinti, sondern eher in Ungarn.

"Ich denke nicht, dass die Hersteller sich des Vorwurfs aussetzen wollen, rassistisch oder diskriminierend zu sein", sagte Anwältin Kerstin Rauls-Ndiaye, die den Vorstoß begleitet. Es handele sich um ein höfliches, außergerichtliches Schreiben. "Das Wort Zigeuner ist unumstritten diskriminierend, da macht es die Sauce nicht besser", meinte Kanzleikollege Dündar Kelloglu zu der Diskussion.

Der Verband der Hersteller kulinarischer Lebensmittel in Bonn erklärte, dass man nach einem ähnlichen Protest vor einem halben Jahr den Zentralrat der Sinti und Roma und weitere Organisationen um eine Einschätzung gebeten, aber keine Antwort erhalten habe. "Für uns war es wichtig herauszufinden, ob das alle so sehen oder nur ein Einzelner", sagte Verbandsgeschäftsführer Markus Weck.

Auch der Lebensmittelkonzern Unilever, der unter der Marke Knorr Zigeunersauce anbietet, verweist auf die lange Tradition des Begriffs und sieht keinen negativen Beiklang. Es gebe häufiger Produkte, die nach Gegenden oder Volksgruppen benannt seien, erklärte ein Sprecher. So habe es vereinzelte Kritik an dem in Österreich vermarkteten Eskimo-Eis gegeben, weil der Begriff von den Polarbewohnern auch als Schimpfwort gesehen wird. Nach einem Dialog sei es bei dem Namen geblieben.

Kommentare (1)

Hört, hört, es ist mal wieder typisch für den herrschenden aktuellen Zeitgeist. Minderheiten fühlen sich auf die Zehen getreten bzw. diffamiert und meinen über die Mehrheiten bestimmen zu müssen. Man könnte eigentlich über derlei geistigen >Dünnpfiff< nur noch lachen, wenn es sich hier nur um einen Einzelfall handeln würde. Frage, was macht man nun mit dem >ZigeunersteakZigeunerbaron< usw. und sofort. Aber es gibt ja bereits genug Beispiele für derartigen Wahnsinn, siehe z.B. die Umschreibung von Kinderbuchklassikern, was ja wohl gg. die Urheberrechte verstößt und somit strafbar ist. Ich frage mich, wo soll das alles noch hinführen - armes Deutschland, das Land der Dichter und Denker - einfach unmöglich. Fazit, für die >Umerziehung< der Deutschen gibt es sicher für merkwürdige Leute, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, noch viele Betätigungsfelder, siehe u.a. Genderwahn, Umbenennung von Straßen und Plätzen usw., usw.