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Zwei Babys mitten in den Trümmern geboren

Es sind Geschichten wie diese, die das Leid für die Helfer einigermaßen erträglich machen: In einem deutschen Lazarett erblickt die kleine Jolanda die Welt. Das freut auch das Herz einer Neubrandenburger Krankenschwester im Einsatz.

Ein wirklicher Lichtblick: Krankenschwester Ingeborg Wortmann hält die kleine Jolanda in den Armen, die im ISAR-Camp das Licht der Welt erblickte.
ISAR Germany Ein wirklicher Lichtblick: Krankenschwester Ingeborg Wortmann hält die kleine Jolanda in den Armen, die im ISAR-Camp das Licht der Welt erblickte.

Es ist wie ein großes Wunder: Noch während das medizinische Team von ISAR Germany seine Behandlungszelte in Palo aufbaut unweit der völlig zerstörten Metropole Tacloban aufbaut, kommt eine junge schwanger Frau hilfesuchend zu den deutschen Ärzten und Krankenschwestern. Die Wehen haben eingesetzt. Ein Kind ist unterwegs. Krankenschwester Ingeborg Wortmann lässt alles stehen und liegen. Sie findet eine Liege für die Mutter. Kurz danach erblickt Jolanda das Licht der Welt. "In all der Zerstörung und inmitten des vielen Leids ist die Geburt ein wirklicher Lichtblick", sagt Ingeborg Wortman. Mutter und Tochter sind wohlauf. Inzwischen ist im ISAR-Camp sogar schon ein zweites Baby geboren, sagt ISAR-Pressesprecher Stefan Heine.

Solche Erlebnisse geben allen 24 deutschen Ärzten, Pflegern und Rettungsassistenten der privaten Hilfsorganisation ISAR in Palo Mut und Motivation - auch Beate Fibinger. Die Neubrandenburger Krankenschwester ist die einzige Vertreterin aus Mecklenburg-Vorpommern in dem Team. Ununterbrochen kümmert sie sich in ihren Schichten um viele, viele Verletzte. Ein Erste-Hilfe-Team schickt vor allem die schweren Fälle zu den deutschen Helfern. Hauptsächlich sind Schädel-Hirn-Traumata, schwere Infektionen von Wunden sowie Knochenbrüche zu behandeln. Sie sei beeindruckt, dass die Philippinos trotz des Leids ihr Lebensmut nicht verlässt, sagte Beate Fibinger jetzt einem ZDF-Team.

Ehemann ist jetzt beruhigter

Über die TV-Bilder hat sich insbesondere auch ihr Mann, Gabriel Fibinger im heimischen Kleeth nahe Neubrandenburg gefreut. Normalerweise sind die beiden zusammen im Einsatz. Als Mitglieder der Rettungshundestaffel Vier Tore werden sie immer wieder alarmiert, wenn Menschen verschüttet oder vermisst werden. Mittlerweile hat Fibinger aber auch schon einmal kurz mit seiner Frau via Satellitentelefon gesprochen. "Es geht ihr gut", sagt der 46-Jährige.  Das sei natürlich beruhigend, genauso wie die Nachricht, dass das Lager von Soldaten bewacht werde. Natürlich habe er sich Gedanken gemacht, als in den Medien von Plünderungen und marodierenden Banden in den Notgebieten zu hören war. Die Zerstörungen seien unvorstellbar, berichtete seine Frau. Selbst Steinhäuser wurden ein Opfer des Taifuns, der so gewaltig war, dass er Laster in die Trümmer wehte.

Ende des Einsatzes noch unklar

Auf den ersten Nordkurier-Beitrag zum internationalen Einsatz seiner Frau habe er sehr, sehr viele Anrufe und Mail erhalten. "Der Zuspruch ist enorm." Jetzt telefoniere er regelmäßig mit einem befreundeten Hundeführer, dessen Frau ebenfalls im ISAR-Camp aktiv sei. "Wir zwei Strohwitwer tauschen uns darüber aus, wie wohl der Wäschetrockner zu bedienen ist oder was man sich kochen könnte." 

Das medizinische ISAR-Team hat seine gesamte Ausrüstung aus Deutschland mitgebracht. Allerdings saßen die Retter wie viele andere Helfer tagelang in Manila fest, weil die Infrastruktur insbesondere auf der Insel Leyte, wo Tacloban liegt, völlig zerstört ist. Die US Air Force habe das Team dann nach Palo gebracht, sagte Heine. An Bord zwei Tonnen Medikamente, mit denen 30000 Menschen einen Monat lang versorgt werden können - unter anderem Schmerzmittel, Antibiotika, Verbandsmaterial und Tabletten zur Wasserentkeimung. Wie lange Beate Fibinger und die anderen Retter auf den Philippinen bleiben, ist zurzeit noch unklar. Dass sie gebraucht werden, daran hat niemand Zweifel

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