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Angeblicher Retter soll Frau überfallen haben

Er gab sich als Pilzsammler aus, der die schwer verletzte Frau im Wald entdeckt hatte. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ist der Mann aber der Tatverdächtige. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen.

dpa/Archiv

 Drei Tage nach der Entdeckung einer schwer verletzten Frau in einem Wald nördlich von Schwerin haben die Ermittler einen Tatverdächtigen festgenommen. Es handle sich um einen 38 Jahre alten, einschlägig vorbestraften Mann aus der Region, sagte ein Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft am Samstag.

Die Behörde wirft ihm vor, die gehörlose Frau mehrmals mit einem Gegenstand gegen den Kopf geschlagen zu haben. Zuvor soll er versucht haben, sich an der 60-Jährigen in dem Waldstück zwischen Jesendorf und Ventschow zu vergehen.

Das Amtsgericht Schwerin habe Haftbefehl wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und der versuchten Vergewaltigung erlassen. Der Beschuldigte bestreite die Tat, sagte der Sprecher.

Tatverdächtiger unter Führungsaufsicht

Der Tatverdächtige, der bis Februar 2014 jahrelang wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung im Gefängnis saß, stand unter Führungsaufsicht der Justizbehörden. Ein Sprecher des Justizministeriums bestätigte am Sonntag, dass der Mann nach seiner Freilassung ins Präventionsprogramm "FoKuS" des Landesamtes für ambulante Straffälligenarbeit in Rostock gekommen war. Darüber hatte der Sender NDR 1 Radio MV berichtet.

"'FoKuS" bedeutet nicht, dass es eine 24-Stunden-Überwachung gibt", erläuterte der Sprecher von Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU). "Er ist ein freier Mann gewesen, er hat seine Strafe bis zum letzten Tag abgesessen." Allerdings habe sich der 38-Jährige regelmäßig bei einem Bewährungshelfer melden müssen.

Als "Zeuge" plausible Angaben gemacht

Die Ermittler gehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Mann am Mittwoch zunächst den Tatort verlassen hatte, ehe er am Abend zurückkehrte und selbst den Notruf absetzte. Zu diesem Zeitpunkt habe sich die 60-Jährige wegen der Verletzungen und einer Unterkühlung in einem lebensbedrohlichen Zustand befunden. Bei dem Mann handle es sich "um den vermeintlichen Pilzsammler, der am Tattag die Rettungsleitstelle informiert hatte", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Zunächst habe der Mann als Zeuge schlüssige und plausible Angaben gemacht, die im Laufe der Ermittlungen aber in wesentlichen Teilen widerlegt worden seien. So habe ihn ein weiterer Zeuge in Begleitung der 60-Jährigen erkannt.

Zuvor hatten die Ermittler auch geprüft, ob es einen Zusammenhang mit einem bis heute ungeklärten Mordfall aus dem Sommer 2007 geben könnte, bei dem in einem Wald bei Kröpelin nahe Rostock eine 36-Jährige überfallen und tödlich verletzt wurde. "Nach unseren Erkenntnissen hat sich diese Spur nicht bestätigt", sagte der Sprecher.