Alkohol und Streit:

Obdachloser gesteht Totschlag

Ein Obdachloser starb Anfang Oktober in Wolgast gewaltsam durch einen Messerstich. Ein Mitbewohner gestand jetzt vor dem Landgericht Stralsund die Tat – völlig rührungslos.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-jährigen Angeklagten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-jährigen Angeklagten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Alkohol und eine aufgeladene Stimmung: Viereinhalb Monate nach dem gewaltsamen Tod eines Obdachlosen hat ein Mitbewohner des Obdachlosenzentrums in Wolgast die Tat gestanden. Er erklärte am Donnerstag vor dem Stralsunder Landgericht, nach einem Streit am 6. Oktober 2014 seinem Opfer mit einem Messer in den Hals gestochen zu haben. Zuvor habe er mit einem Knüppel auf einen anderen Bewohner der Unterkunft eingeschlagen. Als Grund für die Auseinandersetzung nannte er Schulden in Höhe von 30 Euro. Äußerlich rührungslos und ohne ein Wort des Bedauerns schilderte er den Tathergang.

Opfer wurde die Kopfschlagader durchtrennt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Er habe das Messer mit einer 21 Zentimeter langen Klinge bis zum Heft in den Hals seines 51-jährigen Opfers gestochen und dabei die Kopfschlagader durchtrennt. Der Mann verblutete.

Der mutmaßliche Täter sitzt seit dem Vorfall in Untersuchungshaft. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von nicht unter fünf Jahren. Aufgrund diverser Vorstrafen würden zudem die Voraussetzungen für die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung geprüft, sagte die Vorsitzende Richterin.

Wut wegen Anzeige?

Mitbewohner des Obdachlosenheimes schilderten einen anderen Grund für die Attacke. Danach soll der Angeklagte wütend gewesen sein, weil zwei der Mitbewohner des Heimes eine Anzeige bei der Polizei gegen einen dritten Mitbewohner erstattet haben sollen. Alle hatten zuvor Alkohol getrunken. Beim mutmaßlichen Täter wurde kurz nach der Tat ein Alkoholwert von 1,7 Promille gemessen. Er wohnt seit 2003 in der Unterkunft und lebt von Hartz IV, wie er selbst berichtete.

Angeklagter stand bereits unter Führungsaufsicht

Erst im Dezember 2013 war er nach einem Gewaltdelikt aus der Haft entlassen worden und stand seitdem unter Führungsaufsicht. Zudem hatte er eine Abstinenzweisung, wie der Bewährungshelfer berichtete. An das Alkoholverbot hatte sich der Angeklagte aber bereits unmittelbar nach der Entlassung nicht gehalten. Weil er im Juli 2014 fahrlässig einen Brand im Obdachlosenheim gelegt haben soll, zerschlugen sich zudem Pläne für einen Umzug in eine eigene Wohnung.

Es war der zweite gewaltsame Tod eines Bewohners im Wolgaster Obdachlosenheim innerhalb von vier Jahren. Im März 2011 starb ein betrunkener 59-jähriger Obdachloser nach einer brutalen Auseinandersetzung mit einem 55-jährigen Heimbewohner. Der zur Tatzeit ebenfalls betrunkene Angeklagte war später freigesprochen worden. Er habe in Notwehr gehandelt, begründete das Gericht damals die Entscheidung.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!