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Potsdamer Kanu-Mama auch ohne Glücksbringer Emil vorn

VonMichael BrehmeMit 35 Jahren startet Katrin Wagner-Augustin gewohnt stark in die Qualifikation für die Heim-WM der Kanuten. Der Saisonhöhepunkt im Sommer ...

Wieder im Boot: Katrin Wagner Augustin. [KT_CREDIT] FOTO: Bernd Settnik

VonMichael Brehme

Mit 35 Jahren startet Katrin Wagner-Augustin gewohnt stark in die Qualifikation für die Heim-WM der Kanuten. Der Saisonhöhepunkt im Sommer vor heimischem Publikum könnte die letzte Mission der Vierfach-Olympiasiegerin und Mutter sein.

Duisburg.Glücksbringer Emil durfte diesmal nicht mit. Mama Katrin Wagner-Augustin paddelte am Wochenende in Duisburg um die Qualifikation für die Heim-WM der Kanuten, ihr eineinhalbjähriger Bub besuchte anders als noch bei den Olympischen Spielen in London diesmal seine Oma in Dresden. Aber auch ohne die fast schon obligatorische Vor-Ort-Unterstützung ihres Sohnes überzeugte die 35-Jährige bei der ersten nationalen Ausscheidung und erarbeitete sich eine prima Ausgangsposition für einen WM-Startplatz. „Ich bin superzufrieden, weil ich vorher nicht einschätzen konnte, wo ich stehe“, sagte Wagner-Augustin. Im vergangenen Sommer war sie mit dem Kajak-Vierer der Frauen in London Zweite geworden und hatte damit ihre sechste Olympiamedaille geholt.
Viermal Gold, einmal Silber und einmal Bronze seit Sydney 2000 sind allein schon Ausdruck genug von Wagner-Augustins Klasse im schmalen Kajak. Auch deshalb verwarf sie – anders als von vielen erwartet – im Herbst rasch Gedanken an ein Karriereende nach dem London-Erlebnis. Zumindest die WM im August vor Duisburger Publikum will sie noch mitnehmen. „Ein besseres Leben kann einem ja nicht passieren: Ich werde dafür bezahlt, dass ich mein Hobby ausübe“, sagt sie. Nach einer Babypause in 2011 kämpfte sie sich im vorigen Jahr mit großen Anstrengungen zurück. Das Ziel: Unbedingt noch mal olympisches Feeling erleben zu dürfen. Und Medaillen holen. „Das olympische Motto, wonach dabei sein alles ist, zählt längst nicht mehr. Es geht um Erfolge.“ Auch im Sommer bei Wagner-Augustins vielleicht letzter Mission – den Welttitelkämpfen am Niederrhein. Mit einem zweiten und zwei dritten Plätzen in den ersten nationalen Qualifikationsläufen über jeweils verschiedene Distanzen bestätigte sie am Wochenende ihre Ambitionen. Zusammen mit den London-Goldmedaillengewinnerinnen Tina Dietze und Franziska Weber dominierte sie die Kajak-Konkurrenz der Frauen.
„Ich bin mit Katrin sehr zufrieden. Sie hat zwar bisher nicht optimal trainieren können, aber die vielen Trainingsjahre kommen ihr entgegen““, meinte Bundestrainer Reiner Kießler. Bis Mitte Mai will er ein vorläufiges WM-Team zusammenstellen. Die Bootsbesetzungen sind abhängig von den Leistungstests der nun zu Ende gegangenen ersten nationalen Ausscheidung sowie der zweiten vom 3. bis 5. Mai. Dass vor allem die London-Olympiasieger die Chance aufs Großereignis im eigenen Land nicht einfach so herschenken wollten, wurde schon zum Auftakt deutlich. Einziges Sorgenkind ist Olympia-Starter Andreas Ihle, der Zweierpartner von Neubrandenburgs Ass Martin Hollstein, der noch angeschlagen fehlte. Katrin Wagner-Augustin dagegen hat ihre Rolle als drittstärkste Kajak-Frau hinter den K2-Olympiasiegern Dietze und Weber untermauert. Bei der WM schielt sie vor allem auf einen Einsatz im Einer, den sie bereits bei Olympia gefahren ist. Hauptgrund: die Familie. „Wenn ich den Einer fahre, kann ich flexibler trainieren und mehr bei meinem Mann und meinem Sohn sein“, sagt sie. Die Zeit dafür ist sowieso schon geringer geworden. Längst bereitet Wagner-Augustin ihre zweite Karriere vor und drückt an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes in Köln die Schulbank. Eine Woche pro Monat ist sie nun im Rheinland. „Und das ist mir oft schon genug.“