Hilfe für Christopher:

Amerikanerin lebt, weil dieser Uckermärker für sie Knochenmark gespendet hat

In Amerika kann eine Frau genesen, weil ihr Sven Radiske etwas von seinem Knochenmark abgegeben hat. Er geht mit gutem Beispiel voran. Am Samstag wird in Prenzlau ein Spender für den an aplastischer Anämie erkrankten Christopher gesucht. Er stirbt, wenn sich kein Spender findet.

Familienvater Sven Radiske rettete ein Leben. Foto: Leser
Claudia Marsal Familienvater Sven Radiske rettete ein Leben. Foto: Leser

Ärzte beschreiben es als die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wenn sie nach einem Stammzellenspender für einen Leukämiekranken suchen, dann kommt unter Millionen von Menschen häufig nur ein einziger in Frage: Sein genetischer Zwilling. Und selbst den finden sie nur dann, wenn er sich in einer Spenderdatei registriert hat. Im Fall der jungen Amerikanerin Maggie S. war es also mehr als Glück, dass Sven Radiske diesen Entschluss bereits in die Tat umgesetzt hatte. Im Sommer 2010 war der Maschinenbauingenieur in Schwedt zur Typisierung gegangen. Der selbstständige Motorradhändler wollte damit eigentlich Axel Baumgarten helfen, einem Vater aus Angermünde. Dieser war an Blutkrebs erkrankt war und rief die Initiative „Uckermark gegen Leukämie“ ins Leben.

Doch zu diesem Patienten passte sein Knochenmark nicht. Axel Baumgarten ist mittlerweile seiner schweren Krankheit erlegen. Sven Radiske allerdings bekam trotzdem  Post, weil die Ärzte die äußerst seltene Übereinstimmung der Gewebemerkmale mit einem anderen Menschen festgestellt hatten.

Bedenken zur Seite geschoben

Plötzlich hieß es für ihn, sich zur Stammzellenentnahme im Universitätsklinikum Dresden einzufinden. „Es wurde mir gesagt, dass das Hauptziel der Entnahme natürlich auch meine gesunde Entlassung sei“, denkt der Unternehmer an das erste Gespräch dort zurück. Er schöpfte Vertrauen und willigte ein, den Eingriff vornehmen zu lassen. Unter Vollnarkose wurden ihm rund 1,5 Liter Gewebeflüssigkeit aus dem Beckenknochen entnommen.

„Abgesehen von der Narkose hatte ich natürlich auch Bammel, mir im Krankenhaus Keime einzufangen und selbst als Geschädigter wieder herauszukommen“, erinnert er sich. Doch die Bedenken schob der Familienvater bei Seite. „Ich hatte irgendwie doch Vertrauen in die Professionalität der Klinik.“ Am Abend vor der Spende teilte sich Sven Radiske dann ein Zimmer mit Andreas, der an Leukämie erkrankt war. Für ihn war seine Knochenmarkspende zwar nicht bestimmt, aber durch ihn erfuhr der Spender viel über die Krankheit und die Sorgen und Ängste der Betroffenen. „Andreas erzählte mir beispielsweise, dass er am nächsten Tag für Wochen ins Isolationszimmer musste, um auf die eigene Transplantation vorbereitet zu werden. Ein Graus“, denkt Sven Radiske noch immer  bewegt an diese Unterhaltung zurück. Er selbst bekam am nächsten Morgen eine Beruhigungstablette und wurde im Krankenwagen ins Transplantationszentrum gebracht. „Im OP zählte ich dann rückwärts, bis vier kam ich wohl, dann war Schluss...“ Stunden später wachte er auf und erfuhr, dass alles gut gegangen war. Seine 1,5 Liter Knochenmark waren zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg zum Flughafen, denn sie waren für eine junge Frau in den USA bestimmt. „Zurück auf der Station war ich noch sehr müde, hing am Tropf und schlief mich aus“, erzählt Sven Radiske weiter.

An den winzigen Einstichstellen über dem Beckenknochen verspürte er zwar noch einen leichten Druckschmerz, aber als er erfuhr, dass eine junge Amerikanerin während dieser Zeit schon seine Spende bekommen hatte, da machte sich ein anderes Gefühl in seiner Brust breit: Stolz. Er sagt: „Ich war zwar noch niemals in New York... - aber dort war plötzlich ein Teil von mir.“ Den Abend nach der Spende habe er im Aufenthaltsraum mit totkranken Patienten verbracht. „Es war anrührend, ihre Geschichten zu hören. Keiner jammerte, alle hatten schwarzen Humor und vor allem eins: Hoffnung.“ In seiner letzten Nacht in Dresden erlebte Sven Radiske sogar noch einen Kampf um Leben und Tod. Im Nachbarzimmer auf der Onkologie-Station war an einem Patientenbett der Alarm losgegangen. „Alle rannten plötzlich los. So dicht liegen Freud und Leid beieinander.“

Tage nach dem Eingriff war der Spender zwar noch leicht erschöpft, doch am folgenden Wochenende brach er bereits zu einer Motorradtour auf und er arbeitet seitdem auch wieder. An die Stammzellenentnahme erinnerte ihn erst Monte später ein Brief der DKMS, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass es der Empfängerin den Umständen entsprechend gut gehe. Später erreichte ihn schon Post von ihr selbst. In Brief berichtete sie zwei Jahre nach der gesetzlich vorgeschriebenen Anonymitätsfrist, dass ihr Name Maggie sei und sie vom Alter her seine Tochter sein könnte. Die beiden planen, den Kontakt noch zu intensivieren und wollen sich auch Fotos zusenden.

Nun braucht Christopher Hilfe

Jetzt heißt es aber die Daumen für einen jungen Mann aus der Uckermark zu drücken. Christopher (23) ist erst kürzlich an aplastischer Anämie erkrankt. Ihm soll am kommenden Sonnabend, dem 24. August, mit einer Typisierungsaktion beim THW in Prenzlau geholfen werden. Von 10 bis 18 Uhr können sich Spendewillige in der Berliner Straße 24 einfinden.

Dankbar wären die Initiatoren auch für Geldspenden. Denn für die Registrierung der 500 Spendewilligen, die sich insgesamt schon angekündigt haben, werden Laborkosten in Höhe von 25 000 Euro fällig. „Jede Spende und jeder Euro zählt“, ruft Sven Radiske abschließend auf.

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