Unbequeme Denkmäler:

Aufrecht stehender Bauschutt oder wichtiges Kulturerbe?

An der Kettenhaus-Ruine erhitzen sich noch immer die Gemüter. Die einen wollen, dass der Schandfleck so schnell wie möglich abgerissen wird. Die anderen möchten das barocke Zeugnis Prenzlauer Baugeschichte unbedingt retten und erhalten.

Dieser Keller diente früher zur Lagerung von Lebensmitteln.
Oliver Spitza Dieser Keller diente früher zur Lagerung von Lebensmitteln.

Abreißen oder erhalten? Schandfleck oder Denkmal? Und wenn erhalten - wer bezahlt die geschätzten knapp zwei Millionen Euro? Die Stadt Prenzlau, seit Februar 2011 Eigentümerin, kann es nicht, die private Vorbesitzerin des Hauses hat jahrelang nichts investiert und beim Verkauf nur „abgesahnt“. Und ohne massive Förderung von Land und Bund wird sich auch kein privater Investor an dieses Abenteuer wagen. Zumal über 90 Prozent der Bausubstanz ausgetauscht/erneuert werden müssen – aber wäre es dann noch ein historisches Denkmal oder nur eine Kopie? Also besser gleich einen Neubau hinsetzen, vielleicht angelehnt an den Barockstil des alten Kettenhauses? Viele Fragen, aber keine klaren Antworten aus Potsdam.

„Das Haus ist wirklich in einem schlechten Zustand“, sagt Bauamtsleiterin Kerstin Oyczysk am Sonntagmorgen und verteilt Bauhelme und sammelt Unterschriften. Wer ins Kettenhaus rein will, wagt diesen Gang am Tag des offenen Denkmals auf eigene Gefahr. Die Ruine wird nur noch von einer gewaltigen hölzernen Stützkonstruktion im Inneren zusammen gehalten, die die Stadt nach der Übernahme des Objektes eingezogen hat. Das Obergeschoss und die hölzerne Veranda zu Seeseite hin können wegen Einsturzgefahr gar nicht mehr betreten werden.

Viele Interessenten, keiner steckt Geld hinein

Auf der Info-Tafel vor der Ruine steht noch, dass ein potenzieller Investor das Kettenhaus sanieren und die Stadt ihn dabei unterstützen möchte. Das ist schon wieder hinfällig, in der öffentlichen Ausschreibung hatten sich zwar drei Interessenten gemeldet, aber ohne massive Förderung konnten sie ihr Vorhaben nicht verwirklichen. Somit hat das Rathaus im zweiten Schritt auf Grundlage eines Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom Dezember 2012 den Abrissantrag gestellt. Die Denkmalschutzbehörden haben noch kein Votum abgegeben, am Ende muss wohl das zuständige Potsdamer Ministerium entscheiden.

„Man muss auch mal akzeptieren können, wenn man den Kampf verloren hat. Und diesen Kampf hat nicht die Stadt verloren, sondern die Voreigentümerin erst gar nicht geführt“, sagt Bürgermeister Hendrik Sommer. Und die Stadt habe in den letzten Jahren viel Geld für ihre Denkmäler ausgegeben: Stadtmauer, Hexenturm, WIGA-Gebäude, Waschhaus, altes Gaswerk. Allein 600 000 Euro kostete die Sanierung der Heiliggeistkapelle. Aber da war an Bausubstanz noch etwas da, was sich zu retten lohnte. Aber am Kettenhaus? Retten kann man es gewiss - aber um jeden Preis?

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