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Chef ordnet „Piken“ an

Jean Krüger ist ein netter Chef. Da sind sich seine Mitarbeiter einig. Vielleicht bedurfte es deshalb am Mittwochmorgen auch nur eines kurzes Anrufs ihres ...

Raik Bubel (rechts) hatte als Letzter seiner Kollegen von „Sanitär Krüger“ den kleinen Piks überstanden. Das Pflaster ließ er vorsorglich noch drauf. Mit im Bild: Julian Muchow, Karsten Ramlau und Marco Rahn (von links nach rechts).  FOTOS: Claudia Marsal

Jean Krüger ist ein netter Chef. Da sind sich seine Mitarbeiter einig. Vielleicht bedurfte es deshalb am Mittwochmorgen auch nur eines kurzes Anrufs ihres Geschäftsführers, sie für eine Hilfsaktion zu mobilisieren. Der Juniorboss von „Sanitär Krüger“ hatte nämlich aus der Prenzlauer Zeitung erfahren, dass die Stefan-Morsch-Stiftung für ihre Typisierung in Prenzlau noch Freiwillige sucht. Bevorzugt junge Männer unter 40. Und da hat sein Betrieb einiges Potenzial zu bieten. Gleich zu Beginn der Aktion fanden sich die Installateure Karsten Ramlau (39), Marco Rahn (36), Julian Muchow (20) und Raik Bubel (39) in der „Grünen Apotheke“ ein, wo jedem von ihnen ein „Fingerhut“ Blut entnommen wurde. Es reichen nämlich schon wenige Milliliter aus, um die erforderlichen genetischen Merkmale eines Menschen zu ermitteln und ihn als potenziellen Stammzellenspender zu registrieren. Denn darum geht es beim Wirken der Stiftung – Gründer Emil Morsch hat vor 29 Jahren seinen einzigen Sohn verloren, weil dieser an Leukämie erkrankt war und die Therapie noch in den Kinderschuhen steckte. Der 17-jährige Stefan, ein Mathe-Ass, konnte zwar dank einer beispiellosen Geldspendenaktion, die damals 900 000 DM erbrachte, noch zur Behandlung in die USA reisen, wo ihm als erstem Europäer das Knochenmark eines unverwandten Spenders transplantiert wurde – seine einzige Überlebenschance.

Doch obwohl die Transplantation an sich erfolgreich verlief, starb der Junge wenig später an den Folgen einer Lugenentzündung. Seine Eltern, Hiltrud und Emil Morsch, gründeten, als sie sich von dem Schicksalsschlag etwas erholt hatten, die nach ihrem Sohn benannte Stiftung, in die übrigens gleich zu Beginn das gesamte Spendenaufkommen floss, weil die Krankenkassen 1984 auf Druck der Öffentlichkeit die Behandlungskosten in den USA doch noch übernommen hatten.
Mehr über Deutschlands älteste Stammzellenspenderdatei, die sich der Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke verschrieben hat und sogar für diverse Nachsorgekosten aufkommt, ist zu erfahren unterder Internetadresse
www.stefan-morsch-stiftung.de