Fischmann gibt auf:

Das endgültig letzte Lachsbrötchen

Knapp zehn Jahre lang war dieser Mann eine Institution in Prenzlau. Horst Mittelstädt kannte jeder nur als den Fischmann von Marktkauf. Er hatte es mit seiner mobilen Räucherei zu ziemlicher Berühmtheit gebracht. Doch das ist nun vorbei.

Das endgültig letzte Lachsbrötchen vom Verkaufsstand am Schafgrund.
Claudia Marsal Das endgültig letzte Lachsbrötchen vom Verkaufsstand am Schafgrund.

Männer heulen nicht. Diesen Spruch hat vermutlich auch Horst Mittelstädt seit frühester Kindheit gepredigt bekommen. Und trotzdem schämte sich der 50-Jährige am Freitag seiner Tränen nicht. Sie kullerten ihm mit jedem Fischbrötchen, das er schmierte, über die Wangen. Und bescherten der Kundschaft ein ganz mulmiges Gefühl. „Sie glauben gar nicht, wie leid mir das für Sie tut“, sagte beispielsweise Inge Pohlert, die mit ihrem Mann extra nochmal gekommen war, um Horst Mittelstädt zu verabschieden.

In den letzten Tagen hatte die Nachricht vom Aus seiner mobilen Räucherei blitzschnell die Runde gemacht. „Als ich aus dem Urlaub kam, hatte ich die Kündigung für die Stellfläche im Kasten“, erinnert sich der Unternehmer zurück. Er will diesen Fakt auch gar nicht weiter diskutieren. Der Platz sei nicht sein Land, insofern habe der Besitzer natürlich das Recht, darüber zu verfügen. „Wenn kein Fischimbiss mehr gewünscht wird, muss ich das akzeptieren.“

„Die Geschäfte liefen längst nicht mehr so gut“

Leid tue es ihm nur für die vielen Stammkunden und natürlich für ihn selbst. Denn nach neun Jahren und zwei Monaten Selbstständigkeit hat er in Folge der Stellplatzkündigung nun sein Gewerbe abmelden müssen. „Es gibt keine andere Stelle in Prenzlau, wohin ich hätte umziehen können“, bedauert der Familienvater. Denn selbst bei dem Kundenstrom, über den sich das Gewerbegebiet am Schafgrund täglich freuen könne, sei sein Geschäft ein hartes Brot gewesen. Vor allem die Umbauzeit habe ihm erhebliche Einbußen beschert. „Die Geschäfte liefen längst nicht mehr so gut wie zu Beginn“, räumt er ehrlich ein. 

Noch hat er die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass sich eine Lösung findet. Der Räucherwagen wird am Sonnabend zwar vom Stellplatz weggeholt, aber er ist ja weiter in seinem Besitz. Und auch seine Räucherkünste wird er nicht verlernen. „Vielleicht bekomme ich auch ein Jobangebot aus einem ganz anderen Bereich. Ich würde zumindest darüber nachdenken“, sagt er ein bisschen zuversichtlicher, als er am Freitagabend das letzte Lachsbrötchen schmiert.

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