Tapferes Schneiderlein greift ein:

Das Traumkleid ist gerettet

Wer kennt das nicht: Im Geschäft steht einem das Teil noch prächtig. Doch daheim vorm Spiegel sieht das ganz anders aus. Zu lang, zu eng, zu weit - Zwei Damen versprechen in solch einem Fall Hilfe.

Michaela Schreiber (links) und Bettina Lemke spielen seit zehn Jahren „Feuerwehr“ bei Konfektionsdramen aller Art. Foto: CM
Claudia Marsal Michaela Schreiber (links) und Bettina Lemke spielen seit zehn Jahren „Feuerwehr“ bei Konfektionsdramen aller Art. Foto: CM

Über zwei Jahre lang hatte der Satin-Fummel, ein Geschenk von Freunden, im Schrank gehangen. Das Taubengrau des Spaghettiträgerkleides traf zwar den Geschmack der Besitzerin. Es passte ihr auch. Doch sie konnte sich damit partout nicht im Spiegel sehen. Der voluminöse Schnitt machte sie um zwei Größen dicker.

„Immer wieder habe ich das Teil zur Hand genommen und zurückgehängt“, erinnert sich die Besitzerin zurück. Dann marschierte sie damit kurzentschlossen zu den „Tapferen Schneiderlein“. Und die sorgten dafür, dass das edle Stück endlich passt wie angegossen. Aber der Reihe nach: Hinter dem, der Märchenwelt entlehnten Firmennamen verbirgt sich ein kleiner Laden in der Prenzlauer Diesterwegstraße 1, in dem zwei junge Frau Unmögliches möglich machen. Bettina Lemke und Michaela Schreiber spielen hier seit zehn Jahren schon „Feuerwehr“ bei Konfektionskatastrophen. Egal, ob das in Polen billig gekaufte Brautkleid hinten und vorne nicht sitzt oder der per Internet in Übersee georderte Businessanzug zwickt - die beiden Maßschneiderinnen haben meist eine Lösung parat. Es gibt zwar Fälle, wo sie freiheraus sagen, dass Zurückschicken der einzige Weg ist. „Aber meistens gelingt es uns, etwas zu retten“, freut sich Bettina Lemke (44).

Im Fall des Satinkleides habe man erst einmal die Schere angesetzt und den Volaint abgeschnitten. Dadurch kam die unerwünschte Fülle weg.

Mit geübter Hand wurde danach das Oberteil umgearbeitet. Heraus kam ein Schnitt, der der Trägerin schmeichelt und sie rundum glücklich macht. „Fast wie maßgeschneidert“, strahlte die Blondine beim Abholen.

Sie weiß auch schon, wann sie den ersten Auftritt damit hat: „demnächst bei einer Hochzeit im Freundeskreis.“ Vom Maßschneidern im engsten Sinne haben sich Michaela Schreiber (43) und ihre Geschäftspartnerin im Laufe der Zeit verabschiedet.

Dafür gebe es hier die Kundschaft nicht, schätzen die beiden Frauen ein. Aber Umändern und Reparieren, das wird immer gefragt sein in einer Region, wo viele Menschen jeden Cent umdrehen müssen.

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