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Demos in Prenzlau enden ohne Zusammenstöße

Polizei und Ordnungskräften gelang es am Samstagabend in Prenzlau, eine direkte Konfrontation zweier unterschiedlicher Demonstranten-Gruppen zu verhindern. Selbsternannte "BB-Patrioten" demonstrierten gegen einen von ihnen befürchteten Untergang der deutschen Nation. Das Bunte Bündnis Couragiertes Prenzlau stellte dem ein Fest mit Musik, Witz und Toleranz entgegen.

"Flüchtlinge Willkommen", das Credo des Bunten Bündnisses Couragiertes Prenzlau.
Guido Berg "Flüchtlinge Willkommen", das Credo des Bunten Bündnisses Couragiertes Prenzlau.

Sowohl den rechtsextrem gesinnten "BB-Patrioten" als auch dem Bunten Bündnis Couragiertes Prenzlau gelang es am Samstagabend, jeweils etwa 200 Anhänger zu mobilisieren. Die Polizei verhinderte mit einer starken Präsenz und einer offensichtlich wirksamen Taktik einen gewaltsamen Zusammenstoß beider Seiten.

Der Prenzlauer Pfarrer Steve Neumann erklärte, dass Bunte Bündnis wolle verhindern, dass "fanatische Rattenfänger ihre giftigen Gedanken verbreiten". Diese führten zu Gewalt, wie sie kürzlich von Jugendlichen in Bad Belzig gegen eine schwangere Frau aus Somalia verübt wurde. Neumann: "Es ist falsch, seinen Frust gegen Schwächere zu richten, Ängste zu schüren, Fakten zu verdrehen und auf die Ärmsten der Armen einzuprügeln". Der Prenzlauer Kirchenmann stellte klar: "Es sind Nazis, auch wenn sie sich mit falschen Gewändern tarnen."

Auf der Demo der "BB-Patrioten", die der eigenen Aussage nach der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) nahe steht, trat ein Redner namens Silvio auf. Er forderte die Teilnehmer auf, "auf verfassungsfeindliche Parolen zu verzichten" und begrüßte die "lieben angereisten Patrioten". Das Fest am Fuße der Marienkirche nannte er "ein buntes Volksverrätertreffen". In martialischer Tonlage forderte er, "das ganze System" müsse umgekrempelt werden. Das werde nicht "ohne Tränen, Schweiß und Blutvergießen abgehen". Über den Marktberg hallte mehrmals der Ruf "Wir sind das Volk".

Vier Strafanzeigen

Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer (parteilos), der in einer Jacke des Ordnungsamtes zugegen war, zeigte sich erleichtert, dass die Situation nicht eskalierte. Sein Position zu dem Demo-Abend: "Demokratie muss das aushalten!"

Laut Polizei wurden während der Demo vier Strafanzeigen aufgenommen: Ein Mann zeigte den verbotenen Hitler-Gruß, zwei Asylgegner führten Messer mit sich und verstießen damit gegen das Waffengesetz und gegen das Versammlungsgesetz. Im vierten Fall wurden ein Schlagstock sowie ein Messer in einem Fahrzeug festgestellt, mit dem Personen zur Versammlung angereist waren. Nach Veranstaltungsende kam es in den Nachtstunden noch zu einer Körperverletzung in der Steinstraße vor dem Rewe-Markt. Dem Opfer wurde mit dem Fuß gegen den Kopf getreten. Der Mann wurde dabei leicht verletzt. Die beiden Täter konnten identifiziert werden, teilte die Polizei mit.

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