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Der Stoff, aus dem das Leben ist

VonAnn-Katrin KingelDer Schweizer Peter Schulthess entführt die Besucher der Ausstellung „Oh! Kalkutta – Tantra, Fadengeist und Lebens- gewebe“ in ...

Peter Schulthess erinnert sich gerne: „Diese indische Frau ließ sich sofort fotografieren.“[KT_CREDIT] FOTO: AKK

VonAnn-Katrin Kingel

Der Schweizer Peter Schulthess entführt die Besucher der Ausstellung „Oh! Kalkutta – Tantra, Fadengeist und Lebens- gewebe“ in ferne Welten.

Prenzlau.Der Stoff aus dem die Träume sind: Im Alter von sechs Jahren konnte der kleine Peter Schulthess schon die komplette Weltkarte aus dem Kopf zeichnen. Das Fernweh hatte ihn schon früh gepackt. Und tatsächlich, er sollte später die ganze Welt bereisen. Nicht als Tourist, sondern beruflich. Der 1957 in Uster (Schweiz) geborene Schulthess hatte nach seiner Ausbildung zum Textilkaufmann für namhafte Firmen in Indien, Korea und Japan zu tun. Und er brachte mehr als Stoffe mit. Denn die fremden Kulturen und die Geschichten der Menschen dort interessierten ihn sehr. Auch die verschiedenen, aber doch gleichen Muster der Stoffe faszinierten ihn auf eine besondere Art und Weise. Er fotografierte leidenschaftlich viel und aufwendig die Dinge, die ihm gefielen. Mit Stativ und Drahtauslöser versuchte er, besondere Momente einzufangen, musste aber ständig aufpassen, dass ihm niemand die teure Ausrüstung klaut.
Auf seinen Reisen und durch die Fotografien begriff er schnell, dass viele Dinge zusammenhängen und er ein riesiges Spinnennetz aus all den einzelnen Fäden spinnen konnte. „Man muss die einzelnen Dinge zuerst verstehen können und dann fügt sich alles von alleine zusammen“, weiß Peter Schulthess. Und so verknüpfte er blitzartig immer mehr Sachen miteinander, sammelt einzelne Fotos, Skizzen und Teile von Austellungen in einem riesigen Buch. Dieses außergewöhnliche und einzigartige Buch wird wohl nie ein Ende haben, denn Schulthess hofft, dass es jemand nach seinem Tod findet und weiterführt.
Der Künstler hatte zwar erst überlegt, ob er es seinem Paten vermacht, aber schließlich schien es ihm so gerechter. Schulthess sieht seine Arbeiten nicht wie ein Wissenschaftler an und ist nicht Sklave seiner Idee. Er ist immer für alles offen und bekommt nie genug von den vielen Dingen, die die Welt mit sich bringt. Durch viele Experimente hat er für alles eine Begründung und will sein Wissen und seine Gedanken weitergeben. Der Schweizer kam erstmals zur 775-Jahrfeier 2009 in die Partnerstadt Prenzlau. Er knüpfte Kontakt zum Dominikanerkloster und erfuhr, dass Ausstellungen im LAGA-Jahr geplant sind. Natürlich wollte er etwas dazu beitragen. „Oh! Kalkutta – Tantra, Fadengeist und Lebensgewebe“ heißt seine Präsentation. Viele Fotos schmücken die Wände, natürlich ist auch DAS Buch dabei. Und natürlich Stoffmuster und -fäden.
Der Künstler möchte sein Wissen an interessierte Schüler und Museumsbesucher weitergeben. Der 56-Jährige macht seine Führungen und Vorträge aber nicht für Geld, sondern aus Spaß, und bezahlt die Materialien für seine aufwendige Ausstellung aus der eignen Tasche. Es reicht ihm, dass die Besucher der Austellung immer positiv überrascht sind und sich ganz neue Gedanken über die Welt machen. Schulthess sieht es als Glück an, dass er diese Austellung machen kann, weil er damit seine Indienreise abschließen kann.
Weitere Führungen finden heute, am Sonnabend und am Sonntag um 11 Uhr statt.

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