Zum Tod des ehemaligen Bundespräsidenten:

Der Tag, als von Weizsäcker nach Prenzlau kam

Am Morgen des 23. Januar 1991 landen drei Helikopter auf dem Sportplatz der Uckermark Kaserne. Nachmittags erwarten in der Friedrichstraße 5 000 Uckermärker den Bundespräsidenten. Zeitzeugen erinnern sich. 

Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Ministerpräsident Manfred Stolpe im Bad in der Menge in der Prenzlauer Innenstadt am 23. Januar 1991.
Archiv/Jürgen Hoppe Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Ministerpräsident Manfred Stolpe im Bad in der Menge in der Prenzlauer Innenstadt am 23. Januar 1991.

Es ist kalt und grau an diesem Mittwochmorgen in der Uckermark-Kaserne. Unzählige Journalisten und Vertreter von Stadt, Kreis und Land haben sich auf jenem Gelände eingefunden, das vor einem halben Jahr noch der Nationalen Volksarmee gehörte.  Das lauter werdende Motorengeräusch eines Hubschraubers bringt die versammelte Masse in Bewegung. Aus dem Helikopter steigen drei Politiker, die Prenzlauer Geschichte schreiben sollen. Richard von Weizsäcker, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland; Manfred Stolpe, Ministerpräsident des Landes Brandenburg; und Regine Hildebrandt, die Mutter Courage des Ostens, Arbeitsministerin in der brandenburgischen Landesregierung.

Gudrun Haffer, die damalige Vorsitzende der Prenzlauer Stadtverordnetenversammlung, erinnert sich schwärmerisch an diesen 23. Januar 1991. „Dieser Tag war eine kleine Sensation für uns Prenzlauer. So kurz nach der Wende lernten wir ja erst, freie Bürger zu sein. Wie nah wir dem nun waren, das wurde uns an diesem Tag erst so richtig bewusst.“

Ein Tag in Prenzlau

Verantwortlich für die Einladung ist der damalige Bürgermeister Jürgen Hoppe. Er lädt Richard von Weizsäcker nach Prenzlau ein, um Aufmerksamkeit für das Wahrzeichen der Stadt zu erlangen, die Marienkirche, die 1991 nicht einmal einen Fußboden oder eine Bestuhlung hat. Zur Überraschung des Bürgermeisters nimmt Weizsäcker an. "Ich hatte mir erhofft, dass Weizsäcker uns dabei hilft, europäische Fördermittel für St. Marien zu gewinnen", berichtet der heute 70-jährige. "Als er zusagte, die Stadt für einen ganzen Tag zu besuchen, war ich zunächst sprachlos".

Nach der Ankunft in der Uckermark-Kaserne fährt der Tross um den Bundespräsidenten in vier Bussen zur ehemaligen LPG Grünow. Weizsäcker will seinen Besuch nutzen, um sich über die Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten der Landwirtschaft in den neuen Bundesländern zu informieren. Es folgt ein Besuch der Marienkirche und ein Mittagessen im Hotel Uckermark.

 Mißverständnis um das Goldene Buch

Jürgen Hoppe erinnert sich schmunzelnd an eine Anekdote, die beim Empfang im Festsaal der alten Kreisverwaltung passiert ist. "Ich fragte ihn, ob er uns die Ehre erweisen würde, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen. Er willigte ein. Als er sah, dass er der Erste war, fragte er, wo wir die anderen Goldenen Bücher versteckt hätten. Vielleicht vermutete er, dass wir die Eintragungen von Nazis oder kommunistischen Größen verheimlichen wollten. Doch es war tatsächlich so. Wir haben in den Archiven der Stadt keine goldenen Bücher gefunden."

Richard von Weizsäcker starb am 31. Januar 2015. Er wurde 94 Jahre alt.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung