Uckermärkerin in Paris:

Der Terror hinterlässt Spuren

Adele Vallin lebt in Prenzlau und in Paris. Während der Anschläge am Freitag war sie in der französischen Hauptstadt. Die 86-Jährige berichtet, wie das Leben in Paris nach den furchtbaren Attacken weitergeht.

Polizisten patrouillieren auf dem Place du Trocadéro in der Nähe des Eiffelturms. „Die Überwachung ist spürbar“, sagt Adele Vallin.
Marius Becker Polizisten patrouillieren auf dem Place du Trocadéro in der Nähe des Eiffelturms. „Die Überwachung ist spürbar“, sagt Adele Vallin.

Adele Vallin ist eine Frohnatur. Ihr Optimismus ist, wie sie sagt, eigentlich unerschütterlich. Doch die schrecklichen Ereignisse der Terrornacht haben bei der Frau, die alle drei Monate zwischen Prenzlau und Paris pendelt, Spuren hinterlassen. Zur Zeit der Terroranschläge war Adele Vallin in ihrer Pariser Wohnung im vierten Arrondissement. Sie liegt etwa drei Kilometer von der Konzerthalle Bataclan entfernt, in dem die Attentäter wild um sich schossen.

„Die Terroranschläge vom Freitag lassen die Pariser nicht los“, sagt Adele Vallin. Die Leute gehen zwar ihrem täglichen Leben nach. Sie bummeln durch Supermärkte, spazieren durch die Parks und setzen sich in die Cafés am Straßenrand. Doch ein gewisses Angstgefühl bleibe in den Köpfen und in den Herzen. Besonders in der Metro schauen sich die Leute gegenseitig misstrauisch an. „Das ist beklemmend“, schildert Vallin. Sie lebt seit mehr als 50 Jahren in der französischen Hauptstadt.

"Man hat es im Hinterkopf"

In Prenzlau wohnen ihre Tochter, Schwiegersohn und ihre Enkelkinder, die sie gern besucht. Außerdem kommt sie viel leichter an Karten für ein Konzert des Preußischen Kammerorchesters als für ein klassisches Konzert in Paris.

Ganz sorglos geht Adele Vallin nach den Terrorattacken nicht vor die Tür. Wenn sie in den Schnellzug Thalys nach Deutschland steigt, fährt die Angst vor einem erneuten Terroranschlag mit. Auf die Fahrten in die Heimat will die 86-Jährige aber nicht verzichten. Sie setze sich der Terrorgefahr aus, in der Hoffnung, dass es sie nicht trifft, sagt Adele Vallin. „Man hat es im Hinterkopf.“

Dauernd Ambulanz- und Feuerwehrsirenen gehört

Detonationen und Gewehrschüsse hat Adele Vallin nicht gehört. Sie erfuhr übers Radio von den Selbstmordattentaten beim Stade de France und über die Angriffe auf Lokale und Restaurants in einer belebten Ausgehstraße. „In der Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen, weil andauernd Ambulanzen und Feuerwehrsirenen zu hören waren“, berichtet Adele Vallin.

Am Sonnabend sei der Schock der Franzosen überall zu spüren gewesen, fügt sie hinzu. Es war deutlich weniger Verkehr auf der sonst viel befahrenen Prachtstraße Champs Elysees. Die Museen und Theater waren geschlossen. Einige Metrolinien im Zentrum fuhren nicht mehr. Und vor Vallins Haustür parkten lehre Omnibusse. Sie hatten ebenfalls Anweisung bekommen, nicht mehr ins Zentrum zu fahren.

Was nach den Anschlägen bleibt, ist nicht nur die Angst. Auf den Straßen seien viel mehr Polizisten zu sehen, sagt Adele Vallin. Sie patrouillieren nicht nur vor öffentlichen Gebäuden, sondern auch vor den großen Einkaufshallen, an den Bahnhöfen und Flughäfen. „Die Überwachung ist spürbar“, meint Vallin. Ihrer Ansicht nach wird es noch dauern, bis die Franzosen den Schock überwunden haben.

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