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Die Wut auf aleo wächst

Hunderte Arbeiter der Solarmanufaktur warten seit Monaten vergeblich auf das  Ende ihrer Kurzarbeit. Viele von ihnen glauben nicht mehr daran, die Fabrik noch einmal von innen zu sehen. Doch die Firmenleitung gibt sich weiter zuversichtlich, hat offenbar Käufer in Sicht.

Jahrelang war die Prenzlauer Solarmanufaktur der Jobmotor auf dem hiesigen Arbeitsmarkt, doch diese Zeiten sind lange vorbei.
Monika Strehlow Jahrelang war die Prenzlauer Solarmanufaktur der Jobmotor auf dem hiesigen Arbeitsmarkt, doch diese Zeiten sind lange vorbei.

„Ganz ehrlich? Wir haben kaum noch Hoffnung, dass unsere Jobs erhalten bleiben.“ Mario K. (Name geändert) ist seit Wochen auf Kurzarbeit. Der Familienvater gehört zu den 630 Mitarbeitern des Prenzlauer aleo-Werkes, von denen das Gros momentan zu Hause sitzt. Soweit ihm bekannt ist, laufen gegenwärtig nur noch in einer der drei Hallen die Bänder morgens an. „Und selbst da kommt es vor, dass nach zwei Stunden schon wieder abgeschaltet wird und die Leute nach Hause fahren müssen“, berichtet er im Gespräch mit dem Uckermark Kurier. „Ist es ein Wunder, dass wir uns verarscht fühlen?“, fragt der junge Mann und verrät nebenbei, dass er wieder bei seinem früheren Arbeitgeber anheuern wird. Mit 34 Jahren stehen bei ihm die Chancen nicht schlecht, dass er genommen wird. „Aber die meisten Kollegen sind  älter. Die haben einfach Schiss, dass sie überhaupt nichts mehr finden, wenn die Solarmanufaktur dicht macht. Dass sie dann in Endstation Hartz IV angekommen sind“, setzt er betreten hinzu. Auch in seinem Fall ist es so. Seine Ehefrau arbeitet ebenfalls im Unternehmen. „Wir würden beide auf Schlag unsere Arbeit verlieren“, malt er bewusst schwarz.

aleo-Pressesprecher Hermann Iding räumt auf Nachfrage des Uckermark Kurier ein, dass er die Befürchtungen der Mitarbeiter natürlich verstehen könne. Die derzeitigen Betriebsabläufe seien nicht optimal, gesteht er. Aber das Unternehmen sei aufgrund der angespannten Lage in der Solarbranche momentan immer noch dabei, die großen Lagerbestände mühsam abzubauen. Die Produktion laufe immer nur dann an, wenn bestimmte Teile fehlten. Da könne unter Umständen auch nach kurzer Zeit schon wieder das Band ausgeschaltet werden, wirbt er um Verständnis: „Wir haben im Moment leider keine andere Lösung.“

Die Firmenleitung, so Iding, sei aktuell aber in der zweiten Phase der Verhandlungen mit möglichen Investoren. „Diese kommen aus der ganzen Welt“, sagte er Bezug nehmend auf das Gerücht, ob es tatsächlich einen chinesischen Käufer gebe. Bestätigen wollte Iding das so aber noch nicht. Er könne allerdings versichern, dass die Interessenten allesamt aus der Solarbranche kommen, also berechtigtes Interesse daran haben, in Prenzlau weiterhin zu produzieren. „Wir sind nicht im Gespräch mit Investmentfonds“, stellte der Unternehmenssprecher heraus.