Altenpfleger fühlen sich abgezockt:

Diese Knöllchen schmerzen doppelt

Mit dem Dienstwagen schnell rechts ran, Pflegetasche geschnappt und hoch zum nächsten Patienten - das ist Alltag für die Mitarbeiter von Sozialstationen. Stress genug, möchte man meinen. Doch bei vielen Pflegern kommt noch Ärger übers Ordnungsamt dazu.

Vier Minuten eher und der Politant hätte den Kraftfahrer nicht erwischt. Auch rasende Reporter tappen oft in die Knöllchen-Falle.
Claudia Marsal Vier Minuten eher und der Politant hätte den Kraftfahrer nicht erwischt. Auch rasende Reporter tappen oft in die Knöllchen-Falle.

Altenpflegerin Verena K. hatte in den letzten Wochen dreimal eine Zahlungsaufforderung des Ordnungsamtes Prenzlau hinterm Scheibenwischer. Insgesamt 60 Euro - diese Summe schmerzte die junge Frau bei einem Nettolohn von knapp 1400 Euro sehr. "Es gibt einfach nicht genug Parkplätze in der Stadt. Dafür leben hier aber viele alte, pflegebedürftige Menschen. Selbst wenn wir nur kurz halten, um Spritzen zu geben, ist es meistens schon passiert. Schwups hat man einen Zettel dran, sogar morgens um sechs schon." Nicht nur für sie grenzt das an Abzocke. Mit diesen Vorwürfen konfrontiert stellte das Rathaus klar, dass die Politessen keine Anweisung hätten, Pflegekräfte gezielt aufs Korn zu nehmen.

Zu den Knöllchen müsste es aber gar nicht kommen... Es gibt nämlich die Möglichkeit, beim Ordnungsamt gebührenpflichtig eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, um z. B. im eingeschränkten Zonenhalteverbot zu halten. "Das nennt sich 'Bewilligung von Parkerleichterungen für soziale Dienste'. Diese kostet fürs erste Kfz 60 Euro, für jedes weitere die Hälfte." Es gibt Pflegedienste, die das beantragt haben. Andere scheuen es wegen der Kosten. Eine allgemeine Regelung für alle mobilen Dienste (Friseur, Fußpflege, Handwerker, Betreuungsdienste, Physiotherapeuten etc.) sei aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes nicht möglich und würde völlig ausufern, so Sprecherin Alexandra Martinot.

 

 

 

Kommentare (4)

Erlauben Sie mir, mal eines hier klar und deutlich heraus zu stellen: Die Formulierungen "in die Knöllchen-Falle tappen" und "nicht erwischt" bringen zum Ausdruck, daß bereits die Verfasserin, Frau Marsal, ein außerordentlich distanziertes Verhältnis zur Straßenverkehrsordnung zu haben scheint. Da die Presse ja im Wesentlichen die Meinung des Volkes widerspiegelt (sonst würden viele Leser/innen den NK nicht lesen), ist die Auffassung zu Knöllchen sicher nicht nur auf Frau Marsal begrenzt. Entweder wir haben eine StVO oder wir haben keine. Es reicht schon, daß 90 Prozent aller Ordnungswidrigkeiten überhaupt nicht geahndet werden, weil sie unerkannt bleiben, weil es zu wenig Überwachungspersonal gibt, und weil das Rechtsbewußtsein der allgemeinen Straßenverkehrsteilnehmer seit Jahren systematisch und zielstrebig beseitigt wird - eben auch durch die Tatsache, nicht "erwischt" worden zu sein, ergo auch zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erwischt werden zu können. Nehmen Sie mal zum Vergleich die Statistik zu Straftaten, Einbruch und Kraftfahrzeugdiebstahl. Hier hat die Polizei längst resigniert, und die Aufklärung stagniert auf hohem Niveau. Die Zahl der zur Verurteilung kommenden Straftaten liegt bei 4 Prozent. Parkverbote haben ihren Sinn, auch wenn er uns nicht einleuchtet. Zu beachten sind sie trotzdem, von Jedermann/frau.

Wie hier in Ihrem Artikel erwähnt wird,erhalten diese Mitarbeiter einen Nettolohn von ca 1400 Euro. Wenn dieser Betrag zutreffend ist,weiß ich nicht warum immer beklagt wird,dass der Beruf schlecht entlohnt wird.

Was ist das denn wieder für eine Überschrift? Auch nach dreimaligem Lesen erschließt sich mir nicht, warum die Knöllchen jetzt "doppelt" schmerzen sollen. Vielleicht kann mir ja jemand auf die Sprünge helfen.

Wenn einzelne Pflegedienste die Kosten für behördliche Sondergenehmigungen scheuen, verhält sich nicht das Ordnungsamt schändlich, sondern der Inhaber des jeweiligen Pflegedienstes, der die Kosten für die Knöllchen auf seine Mitarbeiter(innen) abwälzt.