Ungewöhnliche Geldsammelaktion:

Dürfen Tiere bei einer Tombola verlost werden?

Die Mitarbeiter im Naturerlebnis Uckermark wollen ihrem Schwein „Kaiser Franz“ ein neues Gehege spendieren und ihm eine Sissi kaufen. Durch ein Gewinnspiel sollte das Geld zusammenkommen. Das sorgt nun für Empörung.

Die Mitarbeiter des Naturerlebnis Uckermark veranstalteten eine Tombola, um dem hauseigenen Schwein "Kaiser Franz" ein neues Gehege und eine Partnerin spendieren zu können.
Monika Strehlow Die Mitarbeiter des Naturerlebnis Uckermark veranstalteten eine Tombola, um dem hauseigenen Schwein "Kaiser Franz" ein neues Gehege und eine Partnerin spendieren zu können.

Das Budget im Familienpark Naturerlebnis Uckermark ist klein. Extra-Ausgaben sind nicht drin. Deshalb gingen die Mitarbeiter einen ungewöhnlichen Weg, um an Geld zu kommen. Bei der jüngsten Veranstaltung verlosten sie Tiere an die Besucher. Den Erlös wollten sie dafür verwenden, dem hauseigenen Schwein ein neues Gehege zu bauen und dem Tier eine Artgenossin an die Seite zu stellen. Die Aktion sorgte allerdings nicht bei jedem Gast für Begeisterung.

Als Kerstin Schöndube aus Kuhz beim Ostersonntagsspaziergang über das Gelände den Moderator der Tombola hörte, verging ihr der Spaß. „Erst habe ich gar nicht so richtig mitbekommen, dass dort lebende Tiere verlost werden sollen. Deswegen habe ich nachgefragt“, sagte sie. Verlost wurden unter anderem ein Kaninchen, Meerschweinchen und eine Gans. „Es hat mich schockiert, dort so etwas zu sehen. Denn man erwartet doch, dass einem in der Ökostation der richtige Umgang mit Tieren vorgelebt wird.“ Ihrer Meinung nach verstießen die Veranstalter gegen den Tierschutz.

Naturerlebnis Uckermark-Chef Andreas Knoll hält dagegen, dass jeder Teilnehmer gewusst habe, dass es lebende Tiere zu gewinnen gibt. „Außerdem hätten wir die Tiere auch zurück genommen, wenn ein Gewinner sie nicht hätte halten können“, so Knoll. Viele Teilnehmer seien seiner Einschätzung nach gerade wegen der Tiere zu der Tombola gekommen.

Beim Veterinäramt des Landkreises wusste man nichts von dem Gewinnspiel. „Es wäre cleverer gewesen, sich im Vorfeld bei uns zu melden“, sagte der Tierschutzbeauftragte des Amtes, Alexander Mamat. Dann hätte man eventuelle Probleme im Vorfeld besprechen können. Solche Gewinnspiele seien aus seiner Sicht als suspekt zu betrachten. Rechtlichen Folgen habe der Familienpark laut Amtstierarzt Dieter Saß nicht zu befürchten.

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Kommentare (1)

Ein Dankeschön an Herrn Korfmacher für den trefflichen Kommentar zu dem im Beitrag geschilderten Sachverhalt, den wir in rechtlicher Hinsicht aber doch anders beurteilen als unser Veterinäramt. Warum wohl wurde in der Neufassung des Tierschutzgesetzes 2013 (endlich!) ein explizites Verbot aufgenommen, Tiere als Preis einer Verlosung auszuloben? Bei einer Verlosung kann grundsätzlich nicht sichergestellt werden, daß der zufällige Gewinner über die nötige Sachkunde, eine geeignete Unterbringungsmöglichkeit sowie ausreichend Zeit und finanzielle Mittel für die Haltung verfügt. Die Gefahr für das Tier, dadurch in mangelhafte Haltungsbedingungen zu geraten oder zum „Wanderpokal“ zu werden, ist groß. Dies gilt nicht nur auch, sondern gerade für solche Veranstaltungen wie ein Ostervergnügen in einem Familienpark. Genau diese Art von Verlosungen sind es, auf die das gesetzliche Verbot zielt und die hier unterbunden werden sollen! Wenn es nach uns Tierschützern ginge, würde es auch keine Ausnahmen geben, aber der Gesetzgeber läßt sie nun mal zu. Daß dieses Verbot nicht gilt, wenn auf die Veranstaltung bezogen erwartet werden kann, daß die Teilnehmer im Gewinnfall die im Tierschutzgesetz vorgeschriebenen Anforderungen hinsichtlich Haltung und Sachkunde sicherstellen können, ist allerdings ein sorgfältig abzuwägender Ausnahmefall. Bei öffentlichen Veranstaltungen ist eine solche Garantie definitiv nicht möglich, wofür der beschriebene Fall des unfreiwilligen Hahngewinns doch das beste Beispiel ist. Vorgesehen sind solche Ausnahmeentscheidungen zum Beispiel für eine Verlosung einer Taube auf einer Fachveranstaltung für Taubenzüchter oder vergleichbare Gewinnspiele bei Zusammenkünften von Fachpublikum. Daß unser Veterinäramt die stattgefundene Verlosung beim Familienpark Naturerlebnis Uckermark nachträglich mit Verweis auf diese Ausnahmeregelung legitimiert und damit einen Freibrief für Wiederholungen ausstellt, ist für uns nicht hinnehmbar. Wir erwarten von der für die Durchsetzung des Tierschutzgesetzes zuständige Behörde, daß sie klarstellt, solche Veranstaltungen künftig nicht zu dulden.