Figaro Rudi Theil wird 70:

„Ein Friseur ist auch immer ein Seelsorger“

Für Rudi Theil ist die Haarpracht der offensichtlichste Ausdruck der inneren Empfindungen. Dem Figaro reicht ein Blick auf die Frisur, um zu wissen, wie sein Gegenüber drauf ist. Kein Wunder also, dass er auch als Pensionär den richtigen Ton im zwischenmenschlichen Miteinander findet.

Rudi Theil und seine Frau Susanne sind ein starkes Team. Der Friseurmeister feierte seinen 70. Geburtstag und lud Familie und Freunde zu einem Brunch ein.
Ivonne Hackbarth Rudi Theil und seine Frau Susanne sind ein starkes Team. Der Friseurmeister feierte seinen 70. Geburtstag und lud Familie und Freunde zu einem Brunch ein.

Rudi Theil hat eine gute Antenne. Ihm kann so schnell niemand vorgaukeln, wie es um ihn bestellt ist. Das Alter, würden manche seine Gabe erklären. Andere schieben sie seinem Beruf zu. Nicht von ungefähr, denn Rudi Theil ist Friseurmeister. Einer von der „alten Garde“, der immer einen Witz auf Lager hat, aber auch schweigen kann, wenn Gold mehr wert ist. Er weiß, dass Haare der Spiegel der Seele sind und dass die Frisur Ausdruck der Persönlichkeit ist. Der Friseur als Seelenklempner – für ihn ist das nicht zu weit hergeholt.

Wenn der Prenzlauer, der am Freitag seinen 70. Geburtstag feierte und am Sonnabend Familie und Freunde zu einem Brunch einlud, aus seinem Berufsleben plaudert, ist er in seinem Element. Noch gern erinnert er sich daran wie sein Vater Karl Theil das Geschäft in der blauen Baracke in der Stettiner Straße gründete, das Sohn Rudi nach dem Tod des Vaters 1972 übernahm und in dem auch seine Frau Susanne und Bruder Horst arbeiteten.

„Ich hatte immer den Wunsch, selbstständig zu sein, doch das hatte damals nicht sollen sein“, hält sich der Pensionär bedeckt. Und er muss auch nicht ins Detail gehen, denn wer von den Alteingesessen in der Kreisstadt kennt Rudi Theil nicht und hat sich von ihm schon einmal das Haupt verschönern lassen. Schließlich war er von 1981 bis 1991 Chef vom „Babette“-Salon der PGH „Modische Linie“ und führte später mit seiner Frau seinen eigenen Laden in der Friedrichstraße. Nach der Wende konnte der Figaro endlich seinen Traum verwirklichen.

Nach 50 Jahren am Frisierstuhl genießt Rudi Theil nun seinen Lebensabend. Ein wenig froh ist der umtriebige Pensionär schon, dass er nicht mehr zur Schere greifen und Verantwortung für Angestellte und Lehrlinge tragen muss. „Das Geschäft ist sehr hart geworden.“ Zu viele Friseure kämpfen um Kunden, die sich ihre Haare inzwischen lieber selbst schneiden und die Farbe aus dem Drogeriemarkt holen, weil sie sich den Besuch beim Profi nicht mehr leisten können. Die Debatte um Mindeslöhne verfolgt der Senior intensiv und fragt sich, was die für ihn bedeutet hätten und was geworden wäre, führte er immer noch einen eigenen Salon.

Mit diesen Überlegungen sollen sich nun jedoch die Jüngeren beschäftigen. „Ich mache jetzt nichts, davon aber ganz viel“, verrät Rudi Theil, der mit seiner Susanne den Sommer am liebsten im Bungalow in Warnitz verbringt und im Garten werkelt. Und als Friseur kennt er natürlich Hinz und Kunz, da wird ein kurzer Einkaufsbummel durch die Stadt schnell mal zum Plauderstündchen. Und natürlich fällt dabei unweigerlich der Blick auf die Frisur.

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