Glücklich in der Uckermark:

Ein Rückkehrer beißt sich durch

Der Ausbildung wegen verlässt Enrico Hirsch vor mehr als zwei Jahrzehnten seine Heimat. Doch sein persönliches Glück kann er in der Ferne nicht finden. Dann ändert sich alles.

In Schenkenberg hat sich Enrico Hirsch eine neue Heimat eingerichtet.
Monika Strehlow In Schenkenberg hat sich Enrico Hirsch eine neue Heimat eingerichtet.

Nicht alle, die die Uckermark der Arbeit wegen verlassen, finden ihr persönliches Glück in der Fremde. Und so gibt es sie, die Heimkehrer, auch wenn sie rar gesät sind. Enrico Hirsch gehört zu ihnen. Er kehrte in seine Heimatregion rund um Prenzlau zurück, ohne dass ihm eine Willkommensagentur den Weg schmackhaft machen musste.

Freiwillig wäre er gar nicht fortgegangen. Doch als ihm 1990 zwei Wochen vor Lehrbeginn beim Kraftfahrzeugbetrieb für Landtechnik der Ausbildungsvertrag gekündigt wurde, wandte er sich enttäuscht ab. „Elf Jahre lebte ich dann in Rheinland-Pfalz. Besonders die erste Zeit war nicht leicht. Sich als 16-Jähriger fern von Zuhause durchzuschlagen, dazu gehört schon etwas“, sagt der 39-Jährige heute.

Eigenes Unternehmen in der Uckermark

Inzwischen hat der Kfz-Mechaniker nicht nur den Meisterbrief in der Tasche, sondern führt seit zwei Jahren in Schenkenberg bei Prenzlau ein eigenes Unternehmen, seinen Automobil- und Zweiradservice. Stein auf Stein hat er die Halle mit Platz für eine Hebebühne und den Büroplatz selbst gemauert. „Das wäre sonst nicht bezahlbar gewesen“, erklärt er. Reichtümer konnte er im Westen Deutschlands nicht anhäufen, auch wenn seine Arbeit gut bezahlt wurde. Mit dem Gedanken an die Selbstständigkeit hatte er schon lange gespielt, sich dann endlich durchgerungen – und das bisher nicht bereut.

Die Heimkehr vor zehn Jahren hat der Wahl-Schenkenberger nicht bereut. „Wir waren damals jung und hatten viel vor.“ Mit seiner Frau Silvia richtete er sich in einem ehemaligen Neubauernhäuschen wohnlich ein. Die Werkstatt, die er auch mit Diagnosegerät und Klimaservice ausstattete, steht gleich nebenan. „Ich brauche nicht den Trubel der Stadt. Hier habe ich Ruhe und werde von den Leuten angenommen.“ Und nicht nur das: Günter Münchow, der Chef der Ortsfeuerwehr, freute sich vor neun Jahren riesig über die Verstärkung der eigenen Reihen. „Wir brauchen solche vernünftigen Leute wie Enrico. Er erledigt seine Aufgaben als Maschinist ganz toll.“ Das Lob ist ehrlich gemeint, obwohl sich auch der Inhaber eines Ein-Mann-Unternehmens bei einem Alarm entscheiden muss, ob er alles stehen und liegen lassen und zum zwanzig Meter entfernten Gerätehaus spurten kann oder nicht. Doch das kommt zum Glück  ganz selten vor, manchmal liegt ein ganzes Jahr zwischen zwei Einsätzen.

In der Freizeit schwingt er sich aufs Bike

Und wenn es dem Heimkehrer doch mal zu ruhig wird, hat er ja noch sein Hobby. Enrico Hirsch liebt heiße Rennstühle auf Cross-Bahnen. 1992 bis 2001 lebte er seine Leidenschaft als Aktiver in Motorsportclubs aus. Krönung ist ein Pokal, den er nach dem Sieg in einer Clubmeisterschaft auf seiner 125 ccm-Husqvarna-Maschine nach Hause fuhr. Diese steht mittlerweile ein wenig verstaubt. Doch lässt der Biker kaum ein Rennen aus, reist sogar bis zum Motorcross der Nationen in Teutschenthal bei Halle. Denn sein Herz schlägt immer noch bis in den Hals, wenn die Motoren aufheulen. Ob er wieder selbst ein Rennen fährt? Wer weiß, aber dann auf einem moderneren Motorrad, dessen ist er sich sicher.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung