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Eine gespritzte Schweinehaxe bitte

VonGerald BahrSpritzen, Hammer und Meißel: Auszubildende der Medizinischen Schule Uckermark präsentieren sich und ihr Handwerkszeug.Prenzlau.Paul ...

Paul Lottermoser setzt zur Impfung an. Ein Mensch bekommt diese Spritze nicht zu spüren.[KT_CREDIT] FOTO: Gerald Bazhr

VonGerald Bahr

Spritzen, Hammer und Meißel: Auszubildende der Medizinischen Schule Uckermark präsentieren sich und ihr Handwerkszeug.

Prenzlau.Paul Lottermoser zieht den Impfstoff aus der Ampulle. Er schnipst ein paar Mal gegen die Spritze und setzt an. Beinahe mühelos dringt sie in die Haut und durch das Fett der Schweinehaxe. Richtig gelesen, eine Schweinehaxe. „Sie hat eine ähnliche Festigkeit wie die Haut des Menschen und etwas Fett darunter“, erklärt der Auszubildende im zweiten Lehrjahr beim Zukunftstag der Medizinischen Schule Uckermark (MSU) am Donnerstag.
„Unsere Schüler erklären an den vielen Ständen selbst, welche Arbeiten in den jeweiligen Berufsbildern gelehrt werden“, schildert diestellvertretende Schulleiterin Ilona Thiedig.Die Lehrkräfte halten sich bei dem mittlerweile elften „Zukunftstag“ dezent im Hintergrund.
Die Besucher erfahren viel über die Fachbereiche Ernährung, Kranken- oder Altenpflege. Die Kooperationspartner der Medizinischen Schule sind beim „Zukunftstag“ ebenso vertreten. Unter anderem sind das Kreiskrankenhaus Prenzlau und 48 Vertreter aus ambulanten Pflegediensten vor Ort, berichtet Ilona Thiedig.Dazu liegen Broschüren und Informationsblätter aus und es gibt Präsentationen.
Natürlich stehen praktische Übungen und Demonstrationen im Vordergrund. So wird beispielsweise anhand einer speziellen Puppe gezeigt, wie bettlägrige Kranke gepflegt werden.Wer einmal wissen möchte, wie es ist, eine Vollgummi-Windel zu tragen, hat Gelegenheit, sich diese über die Jeans zu ziehen.
Die „Lebensgestaltung“ im Bereich der Altenpflege spielt ebenfalls eine Rolle. „Zur Altenpflege gehört eben nicht nur die Pflege allein“, erklärt Lehrkraft Birgit Hempel.Es gehe dabei auch um die Förderung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten im Alltag, beispielsweise durch Basteln mit Kleister und Papier, „Mensch ärgere dich nicht“ oder Memory-Spielen.In dem hell beleuchteten Raum, in dem dieser Fachbereich erläutert wird, geht es deshalb an den „Probestationen“ sehr lebhaft zu.
Mit Skalpell, Hammer und Meißel wird bei Krankenschwester Ramona Nickel und OP-Schwester Helga Wandel vom Prenzlauer Krankenhaus hantiert. Deren alltägliche Arbeitsinstrumente haben es den überwiegend jungen Besuchern angetan. Neugierig, aber auch fachkundig fragen sie nach, wann nach einer OP genäht oder getackert wird und wie die Klammern wieder aus der Haut kommen.
Am Stand der beiden Schwestern steht ein Koffer, der schnell zum Hingucker wird. Er ist innen leer. An einer Seite sind zwei größere Löcher, oben rechts und links jeweils zwei kleine. „Damit wird kontrolliert, ob man sich die Hände richtig desinfiziert hat“, erklärt Nickel. Das Desinfektionsmittel fluoresziert unter dem Licht in dem Koffer. „Wie in der Disco“, scherzt die Krankenschwester passenderweise. Denn ähnlich gut besucht ist auch die Medizinische Schule am Donnerstag.

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g.bahr@nordkurier.de