Klangvolles Erlebnis:

Eine Glocke ist wie ein Musikinstrument

Als moderner Glöckner von St. Marien könnte Olaf Beckert gelten. Seiner Initiative ist das Läutewerk des Prenzlauer Wahrzeichens zu verdanken. Regelmäßig schaut er nach den drei Glocken im Südturm und erzählt Besuchern deren Geschichte.

Mit einer Spezialstimmgabel entlockt Olaf Beckert den Glocken von St. Marien in Prenzlau ihre Töne.             
Monika Strehlow Mit einer Spezialstimmgabel entlockt Olaf Beckert den Glocken von St. Marien in Prenzlau ihre Töne.  

Die uckermärkische Kreisstadt ist reich gesegnet mit Gotteshäusern. Doch eine Kirche überragt sie alle: St. Marien, das Wahrzeichen Prenzlaus. Schon von weitem künden die Zwillingstürme von der Hallenkirche - 64 Meter hoch der Südturm, 68 Meter der Nordturm.

Olaf Beckert jedoch könnte als Mariens Glöckner der Moderne gelten. Seit April führte er Neugierige zu den Glocken von Marien, erzählte über ihre Entstehung und die Geheimnisse der Töne. Der Mitbegründer des Vereins „Wir für Prenzlau“ hatte 2006 die Aktion „Glocken für Marien“ ins Leben gerufen. Viele Prenzlauer, aber auch Menschen, die nicht mehr hier leben, und andere Gönner spendeten für die Anschaffung neuer Glocken. Deren Vorgänger waren während des Krieges eingeschmolzen worden. Die letzte, die größte, fiel dem Feuer im April 1945 zum Opfer.

2007 kam die Apostelglocke aus dem Greifswalder Dom als erste in den Südturm. Am 26. Juni 2009 fuhr wie in einem Triumphzug ein Schwertransporter mit zwei für Prenzlau gegossene Glocken durch die Stadt zum Festgottesdienst.

Wer mit Olaf Beckert die 237 Stufen zu ihnen hoch steigt, darf sich auf ein besonderes Musikspiel freuen. Mit einer Spezialstimmgabel zaubert der Glockensachverständige aus der Bronze die verschiedenen Töne, die zusammen erst den typischen Glockenklang erzeugen. Auf die nächste Glockenführung müssen Neugierige indes warten. Die erfolgt erst nach der Winterpause im kommenden Jahr.