Gesundheit auf dem Lande:

Endlich ist wieder jemand zum Schwatzen da

In dem 200 Seelendorf Bertikow ist die Physiotherapie die letzte Bastion der Kommunikation. Als sie im März geschlossen wird, zieht Ruhe ein. Nun weckt Silke Henschel aus Grünow neue Hoffnungen bei den Einwohnern ringsum.

Als einer der ersten sichert sich Eberhard Heft aus Falkenwalde bei Silke Henschel einen Termin. Sie bietet in Bertikow die ganze Bandbreite einer Physiotherapie-Praxis an.
Monika Strehlow Als einer der ersten sichert sich Eberhard Heft aus Falkenwalde bei Silke Henschel einen Termin. Sie bietet in Bertikow die ganze Bandbreite einer Physiotherapie-Praxis an.

Eberhard Heft ist der erste Patient, der sich bei Silke Henschel in Bertikow  einen Termin holt. Lange hatte der Falkenwalder darauf gehofft, dass die Physiotherapie im Nachbardorf wieder öffnet. Denn als Nadine Schubbe  die Tür hinter sich abschloss, weil sie in Neubrandenburg Neues wagen wollte, hinterließ sie eine Lücke. „Es ist im Dorf die letzte Bastion der Kommunikation. Wer hierher kommt, lässt sich nicht nur behandeln, sondern freut sich darauf, andere zu treffen“, erklärt Ortsvorsteher Lothar Noreko. Silke Henschel habe ihm der Himmel geschickt, erzählt er von vergeblichen Versuchen, eine Nachfolgerin zu finden.

Der 40-Jährigen ist nicht bange um ausreichende Nachfragen, fehlen doch Angebote wie die ihren rundum auf den Dörfern. „Ich will dort sein, wo die Leute einen Therapeuten brauchen. Viele sind nicht mobil, ihnen fällt der Weg in die Stadt schwer.“  Dankbar ist sie über die Unterstützung für den Neustart. „Besonders Herr Noreko hat alles Mögliche unternommen. Zuletzt tapezierten und malerten wir sogar gemeinsam“, schmunzelt sie. Dank der Gemeinde wurde die Praxis umgestaltet und bietet nun sogar zwei separate Behandlungsräume und einen Turnraum.