Malchower Labyrinthpark:

Es wartet die Fülle des Lebens

Am 9. Juni wird der einzigartige Malchower Labyrinthpark eröffnet. Auf dem Areal an der B 109 laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren.

Oliver Spitza Blick aus dem Malchower Kirchendachfenster auf das legendäre Chartres-Labyrinth

„Ich lebe und weiß nicht wie lang. Ich sterbe und weiß nicht wann. Ich fahre und weiß nicht wohin. Mich wundert, dass ich fröhlich bin.“ Dieser Vierzeiler eines Magisters Martinus von Biberach aus dem 15. Jahrhundert beschreibt die schwierige Sinnsuche des Menschen, die Irr- und Umwege seines Lebens. Nicht umsonst findet sich in vielen frühmittelalterlichen Kirchen ein Fußbodenlabyrinth. Auf verschlungenen Pfaden, mit häufigen Richtungsänderungen, gelangt der Mensch an ein ihm lange Zeit unbekanntes wie nicht einsehbares Ziel. Denn das Labyrinth kennt keine Verzweigungen, man kann sich nicht verirren. Man kann nur ankommen – wenn man sich darauf einlässt.

Die berühmte hochgotische Kathedrale von Chartres in Frankreich ziert solch ein um 1200 entstandenes Labyrinth, 12,50 Meter im Durchmesser und mit einem Weg von 261,55 Metern. Wer diesen Prototyp des christlichen Labyrinths selbst einmal ablaufen möchte, muss nicht mehr nach Frankreich reisen. Denn Anfang Juni öffnet an der B 109 in Malchow ein wohl weltweit einzigartiger Labyrinthpark. „Nach dem Zauber des Anfangs wartet die Fülle des Weges“ – unter diesem Motto lädt der Pfarrsprengels Schönfeld alle Reisenden ein, hier an der im letzten Jahr wieder eingeweihten kleinen Feldsteinkirche zu verweilen. Und sich auf den Weg zu machen.

In der Kirche selbst gibt es das einzigartige, sternenförmige Labyrinth. Ein Stern, der viele Namen trägt. Nämlich die der Spender, die einen oder mehrere Steine symbolisch erworben und damit zum Gelingen des Projektes beigetragen haben.

Vor dem Ostgiebel des Gotteshauses erstreckt sich das legendäre Chartres-Labyrinth. Die Steine liegen bereits, nun muss nur noch der Lavendel wachsen, wie Pfarrer Thomas Dietz und seine Mitstreiter hoffen. Auch das alte Eberswalder Labyrinth von 1609 wurde auf dem ein Hektar großen Areal nachgestaltet. Dazu gibt es ein Sand-, ein Lesestein-, ein Taxi- und ein Ur-Labyrinth. Und auch einen richtigen Irrgarten. Die gigantische Holzkonstruktion steht und man kann erahnen, wie abenteuerlich der Weg hinein wird, wenn das ganze Projekt mit Efeu berankt und bewachsen ist. Wer nicht wieder hinausfindet – auf einer Plattform in der Mitte kann man nach dem Ausweg suchen.

In Kirche und Labyrinthpark hat der Pfarrsprengel 1,5 Millionen Euro investiert, natürlich auch dank der Hilfe von Sponsoren und vielen Spendern. Mit Hilfe der Sparkasse Uckermark und der Potsdamer Staatskanzlei (sie stellte Lotto-Mittel bereit), kann ein Teil des alten Speichers umgebaut werden. Hier werden künftig ein Café mit 50 Plätzen, Küche und Sanitäranlagen sowie ein Spielzimmer ihren Platz finden. Bei schönem Wetter lädt eine Terrasse zum Verweilen ein.

„Wir sind auch Kooperationspartner der Landesgartenschau und werden dort unser Malchower Projekt vorstellen“, so Thomas Dietz. Er hofft, dass viele Uckermärker und Reisende in Malchow einen Stopp einlegen werden. „Nicht nur aus Spaß an der Freude, sondern weil unser Labyrinthpark auch zum Nachdenken über das Leben einlädt.“

Offiziell eröffnet wird der Park am 9. Juni um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst mit dem Hamburger Hauptpastor und Präsidenten des Evangelischen Kirchenbautages, Helge Adolphsen. Danach ist der Park bis 15.30 Uhr offen, um 16 Uhr gibt das 40-köpfige vorpommersche Jugendsinfonieorchester „Uecker-Randow-Sinfonies“ unter Leitung von Constantin Simion ein Konzert.

Doch die Feierlichkeiten in Malchow beginnen schon am 6. Juni, wenn der Liedermacher Gerhard Schöne um 16.30 Uhr mit seinem Kinder-Programm „Wenn Franticek niest“ und um 19.30 Uhr mit seinem Programm „Ich packe meinen Koffer“ im großen Kirchenzelt zu Gast ist.

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