Jetzt spricht der Pizzafahrer:

Froh über unmoralisches Angebot

Der Fall ging bundesweit durch die Medien: Enrico Müller hat monatelang für 1,59 Euro die Stunde gearbeitet. Wir haben ihn getroffen und gefragt: Warum?

Enrico Müller hat den Job als Auslieferungsfahrer einer Pizzeria an den Nagel gehängt.
Claudia Marsal Enrico Müller hat den Job als Auslieferungsfahrer einer Pizzeria an den Nagel gehängt.

Seine Freunde haben den Kopf geschüttelt. Seine Familie verstand die Welt nicht mehr. Und doch ist Enrico Müller mehrere Monate lang für 1,59 Euro die Stunde arbeiten gegangen. Der gelernte Koch hatte sich als Auslieferungsfahrer bei einem Pizzadienst verdingt, wohlwissend, dass er nur wenig verdienen würde. Seine Geschichte geht zurzeit deutschlandweit durch die Medien. Sogar bis ins Fernsehen hat er es diese Woche schon geschafft.

Auf die Frage, warum er sich darauf eingelassen hat, sagt der Prenzlauer: "Irgendwie habe ich immer gehofft, dass mir der Chef mal mehr zahlt. Es war auch nicht absehbar, dass ich für den Hungerlohn 65 Stunden die Woche schuften muss", denkt der 28-Jährige zurück. Selbst auf eine Rufbereitschaft habe er sich eingelassen: "Ich musste das Handy immer dabei haben. Wenn eine Bestellung einging, wurde ich angeklingelt."

Von diesen Machenschaften hatte das Grundsicherungsamt Wind bekommen. Denn nicht nur Enrico Müller stockte seinen kargen Lohn hier mit Hartz IV auf. Auch andere standen in der Zuschussliste. Der Landkreis Uckermark zog deshalb vor Gericht und bekam nun auch Recht. Der Inhaber der Kette wurde zur Zurückzahlung von Zuschüssen verpflichtet - an die Behörde. Enrico Müller und andere Betroffene haben davon nichts. Sie saßen schließlich nicht auf der Klägerbank. "Das hätte doch eh nichts gebracht", sagt der sympathische Single traurig. "Schließlich habe ich aus freien Stücken dort gearbeitet." Mittlerweile stockt er sein Hartz IV abermals auf. Durch einen Stundenjob in einem Lokal. "Ich hoffe aber, dass sich dort endlich eine Festanstellung ergibt."

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