Wendtshof:

Gemeinde lehnt Antrag ab

Mit vier Gegenstimmen versagte am Donnerstagabend die Gemeindevertretung Carmzow-Wallmow dem Bauantrag für eine Legehennenanlage mit 12000 Plätzen ihr ...

Harald Zimmermann

Mit vier Gegenstimmen versagte am Donnerstagabend die Gemeindevertretung Carmzow-Wallmow dem Bauantrag für eine Legehennenanlage mit 12000 Plätzen ihr Einvernehmen, zwei enthielten sich der Stimme und einer stimmte dafür. Damit geht das Vorhaben von Hans-Peter Wendt in eine neue Phase. Seit mehr als 20 Jahren führt der Landwirt in Wallmow einen Landwirtschaftsbetrieb nach den Kriterien von Bioland. Der Verband gehört wie Naturland oder Demeter zu jenen, deren Mitglieder sich strengen Vorgaben und Regeln der artgerechten und biologisch unbedenklichen Tierhaltung und Marktfruchtproduktion unterwerfen. Und das lange bevor in der EU Bio-Richtlinien eingeführt wurden, die auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner verschiedener Interessenten beruhen.

Hans-Peter Wendt gehört wohl mit zu den ersten Bio-Landwirten in der Region überhaupt. Er habe sich Vertrauen in der Bevölkerung und bei den Nachbarn erworben, bestätigt Bürgermeister Harald Zimmermann. „Wir bemühen uns in der Gemeinde, harmonisch zusammenzuarbeiten. Auch darum bemühe ich mich, dass den Emotionen eine sachliche Diskussion vorgezogen wird.“
Dieses Vertrauen ist wohl auch der Grund, warum in der Gemeinde nicht, wie etwa in Mittenwalde, eine Legehennenanlage grundsätzlich abgelehnt wird.
Streitpunkt ist der Standort neben der alten Gärtnerei in Wendtshof. Dort führt die Land in Sicht – Prowo GmbH seit Mitte der 1990er Jahre einen Wohnverbund für chronisch psychisch Kranke mit Betreuungs- und Beschäftigungsangeboten. Die Einrichtung nutzt viele Möglichkeiten, den Patienten ein möglichst alltägliches Leben zu bieten. So wird auch eine Kooperation mit Hans-Peter Wendt angestrebt, der im Zuge des Baus der Legehennenanlage eine Streuobstwiese anlegen will. Das würde den Bewohnern neue Betätigungsfelder eröffnen. Für den Biobauern, der seinen gesamten Betrieb nach den Richtlinien von Bioland führt, gehören auf dem Land die Tiere zum Menschen und sollten nicht irgendwo abgeschottet werden.
Das sehen einige Bewohner von Wendtshof anders. Sie möchten keine Stallanlage nebenan, befürchten Geruchsbelästigungen und Emissionen. So brachte Jürgen Welteroth am Donnerstagabend geschützte Tierarten ins Gespräch, die nach seinen Worten von der unteren Naturschutzbehörde bei Wendtshof gesichtet worden seien, etwa Rotbauchunke und Kammmolch.

Im Januar hatte Wendt dem Amt Brüssow und der Gemeinde seinen Bauantrag vorgelegt. Seitdem bemühten sich Bürgermeister und Gemeindevertreter um Informationen, sprachen mit den Anliegern und schauten sich die 6000er Anlage in Grimme an.

Während Gemeindevertreter Sebastian Bähr dort keine Belästigungen feststellen konnte, empfanden dasAnke Schmidtund Albrecht von Zitzewitz anders. Letzterer schlug vier neue Standorte vor, an denen die Anlage errichtet werden könnte. Waren es der Zeitdruck oder das Bemühen, alle Möglichkeiten bis ins Letzte zu prüfen Erstaunlich für den Beobachter ist schon, dass niemand fragte, wem diese Flurstücke gehören. Zudem ist es zumindest erstaunlich, wenn ein konventioneller Landwirt einem Biolandwirt solch gravierende Empfehlungen geben möchte. Letztlich wollen die Gemeindevertreter, dass ihre Einwände und Vorschläge mit der beschlossenen Stellungnahme an die Behörden weitergereicht werden.

Denn die Verweigerung des Einvernehmens führt nicht automatisch zur Ablehnung, viele andere Behörden und Institutionen haben das Projekt noch zu prüfen. „Damit wären die Behörden gezwungen, unsere Bedenken zur Kenntnis zu nehmen und tiefer in die Materie zu gehen“, meinte Anke Schmidt.