Karambolage auf der A20:

Graupel lässt Fahrzeuge rutschen

Mehrere Autos waren am Mittwochabend in einen heftigen Crash verwickelt. Zeugen zufolge soll Eisregen das Unglück ausgelöst haben. Kann das sein? Wir haben nachgefragt.

Das Wetter wurde mehreren Autofahrern zum Verhängnis.
Thomas Walther Das Wetter wurde mehreren Autofahrern zum Verhängnis.

Gegen 18 Uhr verlor der erste Autofahrer am Mittwochabend auf der Autobahn 20 kurz hinter der Anschlussstelle Prenzlau-Süd die Kontrolle über sein Fahrzeug und rutschte in die Leitplanke. Drei weitere Wagen verunglückten kurze Zeit später. Beide Fahrtrichtungen waren betroffen, die A 20 stundenlang gesperrt.

Zeugen des Unfalls sprachen noch vor Ort davon, dass es ihnen wie Eisregen vorgekommen sei: Gefrorener Niederschlag prasselte von oben nieder und verwandelte die Fahrbahnen sekundenschnell in eine höchst gefährliche Rutschbahn. Doch kann es sich wirklich um Eisregen im meteorologischen Sinne gehandelt haben?

Meteorologen haben eine Erklärung

Wir haben bei dem Diplom-Meteorologen Dominik Jung von wetter.net nachgefragt. Der Begriff Eisregen bedeute im fachlichen Sinne, dass der Niederschlag auf dem Boden gefriert. Die dafür notwendigen Temperaturen sind derzeit natürlich nicht gegeben. Was dem Diplom-Meteorologen zufolge jedoch bei den derzeit vorherrschenden Temperaturen durchaus möglich ist: gefährliche Graupelschauer. "Darunter versteht man Niederschlag in Form von kleinen Eiskörnern mit bis zu fünf Millimetern Durchmesser", so der Experte. Möglich sei auch, dass am Mittwochabend Hagelkörner (größer als ein halber Zentimeter) in dem Niederschlag dabei gewesen sein könnten. Diese Wetterunbilden können urplötzlich und auf lokal sehr begrenztem Raum auftreten.

Thomas Barthel von der regionalen Wetterstation Angermünde hat die Radarecho-Messungen vom Unfallzeitpunkt am Mittwochabend (1. Oktober) parat. Demnach prasselte eine Niederschlagsmenge von 2,6 Litern pro Quadratmeter punktuell auf den Norden und Westen der Uckermark nieder. "Das entspricht einem sehr ordentlichen Platzregen, bei dem Hagel durchaus wahrscheinlich ist", so der Wetterexperte. Normale Niederschlagsmengen liegen in der Region bei 0,1 bis 0,2 Liter pro Quadratmeter.

Übrigens: Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) gibt es sogar zwei verschiedene Formen von Eisregen: Einmal unterkühlten Niederschlag, der beim Auftreffen auf dem Boden gefriert. Die andere Form ist dem DWD zufolge Niederschlag, der überwiegend aus Eiskörnern besteht.