VR-Bank Uckermark-Randow:

Hier werden Sie nicht mit hohen Dispozinsen abgezockt

Das Konto zu überziehen ist oft teuer: Bei den raffgierigsten Banken muss man über 14 Prozent Zinsen zahlen, bei der besten nur 4,2 Prozent. Das deutschlandweit günstigste Angebot hat die VR-Bank Uckermark-Randow.

Die gierigsten Geldhäuser verlangen über 14 Prozent Zinsen bei einer Kontoüberziehung.
dpa Die gierigsten Geldhäuser verlangen über 14 Prozent Zinsen bei einer Kontoüberziehung.

Nur selten schafft es die Uckermark in die Hauptnachrichten der Fernsehsender. Doch am Dienstag sorgte die VR-Bank Uckermark-Randow für Schlagzeilen. Die Telefone klingelten heiß, Kamerateams belagerten den Vorstand. Die Genossenschaftsbank ist deutschlandweit die Nummer 1 bei den Dispozinsen. Mit 4,2 Prozent beim Girokonto Komfort Plus haben die Uckermärker alle anderen Banken weit hinter sich gelassen. Zum Vergleich: Die gierigsten Geldhäuser verlangen über 14 Prozent Zinsen bei einer Kontoüberziehung.

Finanztest der Stiftung Warentest hat aktuell 1538 Banken geprüft. Dabei wollten über 1000 Banken ihre Konditionen gar nicht offen legen, verweigerten die Auskunft oder gaben die Konditionen nicht mal im Preisaushang in der Filiale an - was obendrein auch noch gesetzwidrig ist. Doch die Finanztester blieben hartnäckig, schickten Tester zu den Auskunftsverweigerern oder recherchierten im Internet. Das Ergebnis: Mehr als 100 Banken "kassieren unverschämte Dispozinsen von 13 Prozent und mehr". Das Geschäft ist lukrativ. Obwohl sich die Banken so billig wie noch nie seit der Wende Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können (aktuell für 0,5 Prozent Zinsen), geben sie diesen Vorteil nicht an ihre Kunden weiter. Stiftung Warentest hat eine Deutschlandkarte der Abzocker-Banken erstellt. Erstaunlich: Es gibt nur ein Bundesland, in dem keine Bank 13 und mehr Prozent Dispozinsen verlangt, und das ist Brandenburg. In Mecklenburg-Vorpommern ist es nur eine Bank (Volksbank Demmin mit 14,17 Prozent). Unrühmliche Spitzenreiter sind dagegen Bayern (44), Nordrhein-Westfalen (15) und Hessen (12).

Doch wie schafft es ausgerechnet eine kleine Bank in einer wirtschaftlich schwachen Region an die Spitze?

"Wir wollen faire Partner sein und unsere Mitglieder fördern", sagt Martin Polle, Vorstand der VR-Bank Uckermark-Randow. Und Fairness bedeute für ihn eine vernünftige Kalkulation. "Natürlich wollen und müssen wir Gewinn erzielen, aber nicht auf Teufel komm raus Gewinnmaximierung betreiben", sagt der Banker. Und wenn Martin Polle sagt, dass seine Bank selbst bei 4,2 Prozent Dispozinsen noch "auskömmliche Margen" erzielt, kann man sich vorstellen, was die Abzocker-Banken an Gewinn auf Kosten der Kunden einstreichen.

Nicht auf Zentralbank angewiesen

Zumal sich die VR-Bank Uckermark-Randow gar kein Geld von der Zentralbank borgen muss. Die konservative, grundsolide Ausrichtung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass über 80 Prozent der Bilanzsumme der Genossenschaftsbank Spareinlagen der Kunden sind. Zudem verzeichnet die Bank wenig Kreditausfälle und damit geringe Risikokosten. Und Martin Polle kann den Uckermärkern bescheinigen, dass ihnen die historisch niedrigen Zinsen nicht zu Kopf steigen. "Es gibt keinen generellen Trend, dass mehr Geld ausgegeben wird. Auch nicht auf Kredit."

Letztlich aber sei die Höhe des Dispokredits immer ein Verhandlungsergebnis zwischen Bank und Kunde. "Die Faustregel besagt: Nicht mehr als das Dreifache eines Monats-Nettogehalts." Denn die VR-Bank wolle keine Überschuldungssituation erzeugen. Und auch kein Dauerschuldverhältnis.

Der Medienrummel hat der Prenzlauer Bank viel Aufmerksamkeit beschert. Und vielleicht sogar neue Kunden. "Sogar aus Baden-Württemberg kamen schon Anfragen", sagt Vertriebsmanager Jan Meese. Doch diese wurden abgelehnt, "denn wir wenden das Regionalprinzip an", so Martin Polle. "Wir machen Geschäfte mit Kunden, die hier wohnen oder hier Geschäftsbeziehungen haben." Ob der historisch niedrige Stand von 4,2 Prozent Dispozinsen schon das Ende der Fahnenstange ist? "Wir prüfen monatlich und kalkulieren dann neu. Je nach Entwicklung auf dem Geldmarkt passen wir die Zinsen an", betont Martin Polle, der darauf verweist, dass seine Bank auch für alle anderen Kreditprodukte ein fairer Partner und günstiger Anbieter ist.