Das neue Herz von Prenzlau schlägt:

Jugendlicher Rebell und ehemalige Sexbombe im Café Central

Das neue Café Central auf dem Marktberg öffnet erstmals seine Türen. Die Erwartungen der Uckermärker und der Besucher der Kreisstadt sind groß. Mit Schmollmund und Cowboyhut werden sie von Brigitte Bardot und James Dean empfangen

Der 20-jähriges Sohn des Geschäftsführers, Luis Waehl, hilft seit Tagen bei der technischen Installation. Ab Herbst will er in Halle oder Stuttgart BWL studieren.
Der 20-jähriges Sohn des Geschäftsführers, Luis Waehl, hilft seit Tagen bei der technischen Installation. Ab Herbst will er in Halle oder Stuttgart BWL studieren.

Drei berühmte Filmstars begrüßen die Besucher im neuen Café Central auf dem Prenzlauer Marktberg. Die blonde Französin Brigitte Bardot mit ihrem kirschroten Schmollmund, ihr cooler Landsmann Alain Delon, versteckt hinter einer dunklen Sonnenbrille. Und der rebellische US-Amerikaner James Dean mit Cowboyhut. Sie prägten die Kinoleinwände der 50er und 60er. Nun verleihen die Ikonen als große Kunstwerke dem hellen, großen Innenraum der neuen Lokalität einen Charme des Weltmännischen. Edle Tropfen in beleuchteten Vitrinen dekorieren den Raum. Durch die große Glasfront kann man das Treiben auf dem Marktberg beobachten.

„Es ist ein schöner, ansprechender Ort geworden“, sagt Norbert Waehl. Der 63-jährige Betriebswirt ist seit Oktober 2012 der Geschäftsführer der eigentlich auf Apotheken und Sanitätshäuser spezialisierten Firmengruppe von Orhan Kiziltas. „Ich kenne ihn schon lange. Und als mich Orhan Kiziltas vor zwei Jahren angesprochen hat, bin ich öfter mal nach Prenzlau gekommen, habe mich umgesehen und mitgearbeitet. Und dann für den Umzug von Berlin nach Prenzlau entschieden“, erzählt Norbert Waehl. Ein Schritt, den er bis heute nicht bereut hat. „Nein, überhaupt nicht. Wir sind sehr naturverbunden, fahren gerne Rad. Und der Job ist wahnsinnig aufregend. Ich bin sehr zufrieden.“

Das nimmt man dem ruhigen, freundlichen Manager ab, der auch im größten Stress die Übersicht behält, denn vor wenigen Tagen war das Café noch eine einzige Baustelle. Und auch heute, zur Eröffnung um 14 Uhr, ist noch nicht das gesamte Mobilar eingetroffen. So startet das Café mit 35 Plätzen im Innenraum und 30 Plätzen auf der Terrasse. Wenn alles komplett ist, finden 80 Besucher im 140 Quadratmeter großen Gastraum Platz, auch die Terrassenbestuhlung kann noch erweitert werden. „Ich bin eigentlich nur der Projektentwickler und sorge dafür, dass das Lokal zum Laufen kommt“, sagt Norbert Waehl bescheiden. Gastronomieist kein Neuland für ihn. Es ist das vierte Café, das er zur Eröffnung vorbereitet und auf den Markt bringt. In den letzten Tagen bekam er dennoch Verstärkung. Sein 20-jähriger Sohn Luis, der ab Oktober BWL in Stuttgart oder Halle studieren will, hilft bei der Installation der Küchen- und Computertechnik. Die beiden Männer werden aber ab heute nur noch im Hintergrund aktiv sein. Sechs ausgebildete Köchinnen und Restaurantfachfrauen wurden eingestellt. „Männer haben sich leider nicht beworben“, sagt der Manager, der nun für 59 Mitarbeiter im Gesamtunternehmen zuständig ist.

Doch was erwartet die Gäste sonst noch, außer dem Schmollmund der Bardot? Kaffeeprodukte stehen in einem Café natürlich im Vordergrund. Alles aus bolivianischem Hochlandkaffee. Der Kuchen stammt aus der eigenen Küche und aus einer Berliner Bäckerei. Dazu Torten und Gebäck. Wraps, kleine, mit Lachs oder Putenstreifen gefüllte Teigrollen, werden als Snacks angeboten. Dazu die ganze Palette an Spirituosen: Von Wein und Sekt bis hin zum Champagner aus dem 1584 gegründeten Weinhaus Gosset, dem ältesten Champagnerhersteller Frankreichs. „Später wollen wir auch ein Tagesessen anbieten“, sagt Norbert Waehl. Zunächst will er aber erst einmal sehen, wie das neue Café angenommen wird. „Dann können wir immer noch Angebot und Service erweitern, wir sind da flexibel.“ Die Öffnungszeiten, Dienstag bis Sonnabend von 9 bis 18 Uhr, sind noch nicht ganz „weltmännisch“, aber auch noch nicht das letzte Wort.