Gaudi in der Uckerseehalle:

Karneval im Oktober

Warum bis nach München reisen, wenn es Bierhumpen, Weißwurst und Blasmusik auch in Prenzlau gibt. Zum Oktoberfest schmissen sich Uckermärker in Lederhose und Dirndl.

Martina und Klaus Brademann (links) feierten mit Peter und Cornelia Arndt sowie weiteren Bekannten zum zehnten Mal das Oktoberfest in der Uckerseehalle.
Ines Markgraf Martina und Klaus Brademann (links) feierten mit Peter und Cornelia Arndt sowie weiteren Bekannten zum zehnten Mal das Oktoberfest in der Uckerseehalle.

„Na, Sie haben aber auch ganz schön Holz vor der Hütte“, begrüßte Peter Arndt die Reporterin in der Uckerseehalle. Dafür gab es gleich einen Ellenbogenstoß von Ehefrau Cornelia. Doch beim Oktoberfest ist so manches erlaubt, dass wissen die Beiden, denn seit zehn Jahren treffen sie sich mit Freunden, um zu feiern und zu tanzen. „Immer im anderen Outfit“, erklärte Martina Brademann aus Damme. Dass es schon am Anfang am Tisch der „Dörfler“ kräftig zur Sache ging, bewiesen die vielen kleinen leeren Schnapsfläschchen der Marke „Keiler“.

Noch ein Frischling in Sachen Oktoberfest war dagegen Wellington Schäfer aus Wichmannsdorf. Der brasilianische Fußballspieler hatte sich – wie die Elf von Blau-Weiß Energie – in Schale geschmissen und trug eine fesche Lederhose mit Hemd und passenden Stulpen. Bewundernde Blicke zogen auch Katrin Müller und Riccardo Mewes auf sich. Das Prenzlauer Pärchen hatte sich farblich aufeinander abgestimmt. „Das Dirndl habe ich im Internet bestellt“, verriet sie. Und dort hatte sie nicht nur Tipps für die passende Flechtfrisur mit Blumenkranz gefunden, sondern auch die Anleitung für das Binden des Halstuchs für ihren Partner.

Nicht alle Wiesn-Bräuche sind geläufig

Vielleicht hätte sich der eine oder andere Gast ein Beispiel nehmen sollen, denn die Bräuche – vom Binden der Schleife am Dirndl bis zum Essen der Weißwurst – waren nicht jedem geläufig. Das fiel auch Lars Wöhlmann, Küchenchef im Schloss Boitzenburg, auf. „Normalerweise zuzelt (saugt) man das Brät aus der Haut oder man bedient sich Messer und Gabel, um die Haut zu entfernen“, erläuterte er. Doch die Uckermärker essen die Weißwurst wie eine Bockwurst.