Kultiges an der Kaffeetafel:

Kittelschürze bleibt der Hit

Nicht jedes Dorf der Uckermark liegt verschlafen. Die Senioren von Kutzerow im Norden der Region lieben es zum Beispiel ganz bunt.

Für die Kittelschürzenparty zog sich selbst Paul Matznick eines der kultigen Teile an. Bis heute gehören auf den Dörfern für viele Damen Dederon-Schürzen zur persönlichen Ausstattung.
Monika Strehlow Für die Kittelschürzenparty zog sich selbst Paul Matznick eines der kultigen Teile an. Bis heute gehören auf den Dörfern für viele Damen Dederon-Schürzen zur persönlichen Ausstattung.

Kunterbunt oder einfarbig, aber immer aus Dederon: Kittelschürzen aus DDR-Zeiten sind nicht kleinzukriegen. So saßen jetzt Senioren der Gemeinde Uckerland in Dederonschürze an der monatlichen Kaffeetafel. Dabei hatten sie das Gemeindehaus zuvor nicht ausfegen müssen. Vera Senftleben und Brunhilde Engel hatten zur Kittelschürzenparty eingeladen.

Im September standen Sammeltassen im Mittelpunkt der monatlichen Runde. Zu DDR-Zeiten hatte wohl jede Hausfrau solche edlen Porzellanstücke in der Wohnzimmervitrine zu stehen. Auch wenn diese Mode heute verstaubt anmutet, halten in Jagow, Kutzerow und Taschenberg noch viele Frauen die schönsten Stücke in Ehren. Kittelschürzen dagegen scheinen auf dem Dorf nicht einzustauben. „Die sind in jeder Hinsicht praktisch“, meint Vera Senftleben. Alice Pompetzki zieht jeden Tag eine neue aus ihrer Sammlung an. Und wenn sie vor die Tür geht, hat sie immer Taschentuch, Schlüssel und Telefon in der Tasche.

Nationaltracht vermutet

Dabei waren Kittelschürzen durchaus keine Erfindung der DDR, sondern kamen vor mehr als 100 Jahren in Amerika auf. In Ostdeutschland wurden sie weiterentwickelt, manche Frau wollte sie gar nicht mehr ablegen. Das war vermutlich der Grund, warum Asta Klisch aus Jagow sich nie damit anfreunden konnte. „Ich habe Kittelschürzen gehasst. Stellen Sie sich vor: Der Mann sieht seine Frau die ganze Woche über in solch einer Schürze, selbst am Sonntag.“ Da muss selbst die heißeste Zuneigung bald abkühlen. Joachim Lorenz berichtete von zwei Radtouristen aus dem Westen der Republik. Ihnen fielen auf der Rundtour durch Nordostdeutschland die vielen Kittelschürzen auf und sie sahen in ihr eine Art Nationaltracht.

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