Zuviel Konkurrenz und zu wenig Kundschaft:

Lieferservice kann sich Ausliefern nicht mehr leisten

Bislang hat Prenzlau noch fünf Restaurants mit Lieferservice. Doch jetzt wirft der erste Wirt das Handtuch und schafft das Ausfahren der Speisen wieder ab. Schweren Herzens, aber der „Bella Italia“-Chef hat seine Gründe, wie er sagt. Einer davon ist die Konkurrenz.

Außer Haus gibt es diese Leckereien vom „Bella Italia“ ab nächsten Monat nur noch für Selbstabholer.
Claudia Marsal Außer Haus gibt es diese Leckereien ab nächsten Monat nur noch für Selbstabholer.

Jörg Westphal wirft das Handtuch, zumindest teilweise. Nach monatelangem Ringen – im Mindestlohn-Streit und mit der Konkurrenz – trennt sich der Gaststätteninhaber ab September von seinem Lieferservice. „Ich musste auf die aktuelle Entwicklung reagieren“, sagt der Prenzlauer niedergeschlagen, „alles andere wäre nicht weiter vertretbar gewesen.“ Nach den Gründen gefragt, führt der Geschäftsmann gleich mehrere an. Allen vorweg nehmen möchte er die Feststellung, dass fünf Restaurants mit Lieferservice nach seinem Dafürhalten drei zu viel sind für so eine kleine Stadt wie Prenzlau. „Zum Vergleich: Schwedt hat doppelt so viele Einwohner und nur zwei Anbieter. Das müssten eigentlich auch die  begriffen haben, die hier eine Gewerbegenehmigung nach der anderen für die selbe Branche erteilen“, setzt er verärgert hinzu.

Konkurrenz fördert Preisdumping

Das ginge nicht nur ihm so. Jedes weitere Café sorge dafür, dass ein anderes sterbe, ebenso wie jede Tankstelle, jeder Supermarkt. „Irgendwie hat man in dieser Stadt den Überblick verloren, wie viel eine Kommune dieser Größe braucht und vertragen kann.“ So jedenfalls sehe er das. Nicht immer belebe Konkurrenz das Geschäft, setzt Westphal nachdrücklich hinzu. Die Lieferservice müssten sich das Geschäft mit den wenigen Kunden durch aktuell schon fünf Anbieter dividieren. „Jeder möchte etwas vom Kuchen abbekommen.“ Daraus resultiere dann Preisdumping und, nicht zu vergessen, niedrige Löhne.

„Natürlich würde ich meinem Fahrer gern mehr zahlen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr man als Angestellter auf jeden Cent angewiesen ist. Aber der Umsatz gibt das nun mal nicht her“, schätzt der Unternehmer ein. Denn der Staat halte bei jedem Arbeitsplatz doppelt und dreifach die Hand auf. Da er sich beim Landkreis aber selbst verpflichtet habe, keine sittenwidrigen Löhne zu zahlen, komme er nun nicht mehr umhin, die Konsequenzen zu ziehen. An der Kündigung des Fahrers führe kein Weg vorbei

Jörg Westphal möchte aber öffentlich festgestellt wissen, dass er nicht der Franchise-Nehmer ist, gegen den der Landkreis Uckermark gerade klagt. In der vergangenen Woche hatte der Uckermark Kurier berichtet, dass die Behörde beim Arbeitsgericht in Eberswalde einen Prozess gegen einen Pizzeria-Betreiber angestrengt hat, der seinen Ausfahrern Gehälter zahlt, die ein Drittel unter dem ortsüblichen Lohnniveau liegen. Weil das Jobcenter in diesem Fall aufstocken muss, also den Differenzbetrag zahlen, schritt die Verwaltung jetzt ein und zeigte den Arbeitgeber an. Denn der Steuerzahler dürfe für solche Fälle nicht auch noch in die Pflicht genommen werden, so die Feststellung  von Arbeitsminister Günter Baaske. Besagtes Unternehmen sei, wie gesagt, nicht seins, aber das Problem habe wohl die gesamte Branche, so Jörg Westphal.

Zu wenig Werbung

Er wird auch das Personal im Lokal verkleinern, es bleiben ab 1. September pro Schicht nur noch jeweils ein Kellner und ein Koch. Mehr gibt das Geschäft nicht her. Der Gastwirt hofft nun, dass diese strikten Maßnahmen das Überleben seines kleinen Lokals sichern können. In Sichtweite zum Uckersee und zur Landesgartenschau müsste es hier derzeit eigentlich boomen. „Doch das tut es nicht“, stellt Westphal fest, für ihn ein sicheres Indiz, dass man im Umfeld der LAGA hätte viel mehr werben müssen. Aber da seien den Gewerbetreibenden ja Knüppel zwischen die Beine geworfen worden. Ein Fakt, über den sich in der Zeitung schon viele andere Unternehmer beklagt hatten.

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