Party auf dem Balkon:

Luftdruckgeschoss verletzt Passantin an der Hüfte

Zielübungen vom Balkon, das kann böse enden. Das Gericht kennt kein Pardon mit dem reuigen Sünder.

In Partystimmung schießen junge Leute mir dem Luftdruckgewehr vom Balkon aus. Ein Projektil trifft eine Frau und verletzt sie. Das Gericht verhängt eine Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.             
dpa/Ronald Wittek In Partystimmung schießen junge Leute mir dem Luftdruckgewehr vom Balkon aus. Ein Projektil trifft eine Frau und verletzt sie. Das Gericht verhängt eine Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.  

Waffen sind kein Spielzeug. Nicht umsonst hat der Gesetzgeber hier strenge Richtlinien erlassen, um das Gewaltpotenzial einzudämmen. Dazu gehören auch Luftdruckwaffen, deren private Nutzung nur unter strengen Sicherheitsbestimmungen erlaubt ist. Auch das offenbar immer noch beliebte „Vogelschießen“ kann ein Straftatbestand sein. Was einen jungen Mann allerdings bewog, ein Luftgewehr auf belebter Straße zum Einsatz zu bringen, ist nicht nachvollziehbar. Ein abgefeuertes Projektil traf dabei eine Frau, durchschlug das Futter ihres Mantels und hinterließ in der Hüfte eine blutende Wunde. Vor dem Schwedter Jugendschöffengericht musste sich der junge Mann verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben, weil der Angeklagte in Kauf genommen hatte, dass Passanten durch die Schüsse gefährdet und verletzt werden können, was im konkreten Fall ja auch passierte.

Der Sünder war geständig und bedauerte den Vorfall. Allerdings stellte er das Geschehen als einen dummen Unfall hin. Er habe mit Kumpels am Nachmittag in einer Wohnung gefeiert. In ausgelassener Stimmung wurden Zielübungen mit dem Luftgewehr vom Balkon aus gemacht. Der Sünder will lange auf eine Straßenlampe gezielt haben, bevor er den Schuss abfeuerte. Wahrscheinlich sei der von dort abgeprallt und habe die Frau getroffen, argumentierte der Angeklagte. Ein dummer Zufall eben.

Doch die Staatsanwaltschaft hegte starke Zweifel an der Version. Auch sei ein Abprallen des Geschosses mit solchen Verletzungen schwer vorstellbar. Allerdings konnte ein bewusstes Zielen auf die Frau nicht nachgewiesen werden. Da der Angeklagte im Vorfeld schon eine Schmerzensgeldzahlung mit der Geschädigten getroffen und keine Vorstrafen hatte, kam er mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davon. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde er zu sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt. „Wenn am helllichten Tag jemand mit einer Waffe in einem Wohnviertel Schießübungen macht, kann nur eine Freiheitsstrafe verhängt werden“, so der Richter in der Urteilsbegründung.