Nach Angriff auf Lehrerin sind Eltern in Angst:

„Meine Tochter hat Angst vor dem nächsten Schultag“

Die brutale Attacke eines 14-Jährigen auf seine Lehrerin ist Stadtgespräch in Prenzlau. Nun hat das Gymnasium offenbar Elternbriefe herausgegeben, in denen psychologische Betreuung angeboten wird.

In diesem Schulgebäude ist der 14-jährige Schüler ausgerastet.
Claudia Marsal In diesem Schulgebäude ist der 14-jährige Schüler ausgerastet.

Helga K. (Name geändert) ist froh, dass ihre Tochter zurzeit in einem Praktikumsbetrieb arbeitet. Denn sie weiß, dass das Mädchen große Angst vor ihrem nächsten regulären Schultag hat. Kein Wunder: Die 14-Jährige musste schließlich miterleben, wie ein Gleichaltriger während einer Klausur ausrastete und die Pädagogin angriff. „Er sprang plötzlich auf und begann, die Lehrerin zu bedrängen und zu schubsen, dann lief er aus dem Zimmer. Doch er kam wieder rein und das Ganze ging von vorne los. Erst der Klassensprecher hat durch sein couragiertes Eingreifen Schlimmeres verhindern können“, beschreibt sie das Geschehene. Die Lehrerin hatte sich dabei offenbar so schwere Verletzungen zugezogen, dass eine Behandlung im Krankenhaus notwendig war.

Die Schüler waren direkt nach der Rangelei nach Hause geschickt worden. „Meine Tochter kam völlig aufgelöst daheim an.“ Die Lehrerin erstattete drei Tage nach dem Vorfall Anzeige. Jetzt ermittelt die Kripo. Die Sache ist also noch nicht ausgestanden, auch bei den Mitschülern nicht. „Die Kinder sind immer noch geschockt“, sagt Helga K. betroffen. Obwohl der Gewaltausbruch in dieser krassen Form bei besagtem Jungen noch nie vorgekommen sei, herrsche jetzt natürlich Angst davor, dass das wieder passiert. Und dass dann vielleicht sogar die Mitschüler angegriffen werden. „Die Medien berichten schließlich andauernd darüber, wie so etwas eskalieren kann.“

Gut findet die betroffene Mutter das Angebot der Schule, bei Bedarf psychologische Betreuung zu organisieren. „Wir haben alle einen Elternbrief erhalten, in dem uns diese Möglichkeit aufgezeigt wurde. Unsere Familie hat sofort Ja gesagt.“

Gegenüber den Medien hält sich das Städtische Gymnasium Prenzlau mit Stellungnahmen zurück. Der zuständige Schulrat Hardy Schalitz hingegen hatte versichert, dass man das Problem offensiv angegangen sei und er zuversichtlich ist, dass es keine Wiederholung in dieser Form geben wird. Auch er verwies auf die Möglichkeit,  psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Fallbesprechungen mit den Lehrern hat es schon gegeben. Der Fakt, dass so viele Eltern jetzt noch einmal die Öffentlichkeit suchten, sei für Schalitz Anlass, noch einmal das Gespräch zu suchen. „Offenbar gibt es doch noch Unklarheiten und Unsicherheiten, was wir so nicht vermutet hatten.“

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!