Motorradhändler lässt nicht locker:

Nach Straßensperrung kam das Aus

Jens Kersten ist Motorradhändler mit Leib und Seele. Über neun Jahre  existiert sein Geschäft – dann kommt eine verhängnisvolle Straßensperrung und alles ist aus. Er kämpft nun um Wiedergutmachung.

Jens Kerstens Karriere als Einzelhändler hat ein trauriges Ende gefunden.
Claudia Marsal Jens Kerstens Karriere als Einzelhändler hat ein trauriges Ende gefunden.

Wenn möglich, dann vermeidet er es, an „seinem“ Laden vorbeizufahren. Denn die verhangenen Schaufenster und das Schild „zu vermieten“, das ist mehr, als Jens Kersten bis dato verkraften kann.

Kein Wunder, schließlich war das Motorradgeschäft in der Neustadt neun Jahre und zwei Monate lang sein Leben. Zwischen schweren Maschinen, Helmen und Ersatzteilen ist seine Tochter groß geworden. Es herrschte immer ein Kommen und Gehen. Privat und dienstlich zu trennen, das war schwer, weil auch nach Feierabend noch Kunden blieben. „Doch wir haben das geliebt“, denkt der Familienvater zurück. Dass sich hier jetzt gar nichts mehr abspielt, das schmerzt den Prenzlauer sehr.

„Aber ich hatte letztlich keine andere Wahl, als dieses Jahr das Einzelhandelsgewerbe abzumelden, sonst wäre ich vor die Hunde gegangen“, resümiert der 39-Jährige bitter. Das Unheil habe seinen Lauf genommen, als die Sperrung der B 109 begann. Viel länger als geplant waren die dortigen Händler von der Welt abgeschnitten. Ihre massiven Klagen über den untragbaren Zustand füllten in der Folge auch viele Zeitungsseiten.

Doch es nützte letztlich nichts. Es wurde gebaut und gebaut und die Unternehmer litten mehr oder weniger klaglos vor sich hin. Stets hoffend, dass ein Ende der Sperrung kommt. „Die Einbußen reichten von 70 bis letzten Endes 100 Prozent, denn zeitweise kam man überhaupt nicht mehr an meinen Laden ran. Tödlich für ein Saisongeschäft wie meins, wo man sich im Sommer die Rücklagen für den Winter sichern muss. Da gab es nichts zurückzulegen“, denkt Kersten zurück. Er habe versucht, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, indem er die unmittelbaren Auswirkungen der Sperrung von seinem Steuerbüro dokumentieren ließ und an die zuständigen Behörden meldete. Doch von überall gab es abschlägige Bescheide, ärgert sich der Geschäftsmann. Man habe in Zweifel gezogen, dass die schlechten Umsätze mit dem Straßenbau in Verbindung standen. Noch heute kommt ihm die Galle hoch, wenn er daran denkt. Zurzeit liegt ein dritter Antrag beim Landesbetrieb für Straßenwesen und der Stadt. Sein Anwalt hat ihm geraten, nicht lockerzulassen. „Denn in den Monaten, wo es so schlecht lief, bin ich bis in die Schweiz auf Montage gefahren, um wenigstens die Miete begleichen zu können. Man kann sich vorstellen, wie sich das auf unser Familienbudget ausgewirkt hat“, sagt er bitter. Jens Kersten hat allerdings wenig Hoffnung, noch irgendwo erhört zu werden. Auch von der Kommune sei er mehr als enttäuscht, setzt er leise hinzu.

Vom Rathaus aus habe man sogar noch die Frechheit besessen zu fragen, ob er sich nicht am Frühlingsfest beteiligen wolle. „Da war ich schon feste dabei, den Laden auszuräumen. Es wussten doch alle, dass mir das Wasser bis zum Halse stand.“ Unterkriegen will er sich trotzdem nicht lassen. Momentan verdient Jens Kersten als Selbstständiger mit Laden- und Messebau seine Brötchen. Eine sicherere Bank, das muss er zugeben. Auch wenn ihn die Aufträge zum Leidwesen der Familie nun oft in die Ferne führen. Sein Dank gilt abschließend all denen, die ihm in der schweren Zeit beigestanden haben. Da habe sich gezeigt, wer ein ehrlicher Freund sei und wer nicht.

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