Gericht prüft Krankenscheine:

Nazi-Orden-Prozess läuft die Zeit davon

Seit drei Jahren will ein Gericht Udo W. verurteilen. Hofft der Angeklagte durch Taktieren um eine Strafe zu kommen?

Zum ersten Verhandlungstag Ende März erschien Udo W. noch vor Gericht. Danach ließ er viele Prozesse platzen weil er nicht mehr erschien.
Thomas Walther Zum ersten Verhandlungstag Ende März erschien Udo W. noch vor Gericht. Danach ließ er viele Prozesse platzen weil er nicht mehr erschien.

Gelingt es dem Gericht, noch bis Ende dieses Jahres  Udo W. zu verurteilen? Die Neuauflage des Prozesses gegen den Mann aus dem Boitzenburger Land, die erst im März dieses Jahres am Prenzlauer Amtsgericht begann, ist schon zum dritten Mal unterbrochen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen vor, zwischen 2005 und 2010 mit Koppelschlössern, Orden und Ehrendolchen, alle mit Hakenkreuz versehen, gehandelt zu haben.

In mehreren Verfahren war der Angeklagte bereits zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Gegen die Urteile hatte Udo W. immer wieder Berufung eingelegt. Bei den notwendigen Nachfolgeterminen erschien er erst gar nicht vor Gericht. So, wie auch Mitte Juni dieses Jahres, reichte er mehrfach Krankenscheine ein, die ihn für verhandlungsunfähig erklärten.

Der Richter schenkte den Krankmeldungen keinen Glauben mehr

Im Juni hatte er nur wenige Stunden vor Prozessbeginn ein Attest aus dem Templiner Krankenhaus geschickt. Angeblich sei er mit Verdacht auf Herzinfarkt dort „zur Beobachtung“ eingeliefert worden. Der Prozesstermin war angesetzt worden, weil Udo W. wieder einmal gegen ein Urteil Berufung eingelegt hatte. Weil aber der Richter den regelmäßig eintreffenden Krankmeldungen keinen Glauben mehr schenkte, ließ er einen Antrag der Staatsanwaltschaft auf eine sogenannte „Verwerfung des Einspruchs“ von Udo W. zu. Damit war das Urteil wieder rechtskräftig.

Inzwischen hat Udo W. gegen diese Verwerfung wieder Beschwerde eingelegt. Jetzt muss das Landgericht in Neuruppin darüber entscheiden. Inzwischen aber scheint Prozessbeobachtern klar, dass Udo W. mit seinem Taktieren hofft, seine mögliche Strafe drastisch zu senken. 28 der ihm vorgeworfenen 41 Straftaten stammen von 2005 und verjähren nach zehn Jahren, also Ende 2015. Dann könnte Udo W. fast ungeschoren davon kommen.

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